#Pensionen Ein gewisser Zynismus

ANALYSE. Das gesetzliche Antrittsalter ist Frauen ganz offensichtlich selbst zu niedrig. Sie arbeiten länger. 

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ANALYSE. Das gesetzliche Antrittsalter ist Frauen ganz offensichtlich selbst zu niedrig. Sie arbeiten länger.

Nach SPÖ, FPÖ und Grünen will auch die ÖVP nichts von einer vorzeitigen Anpassung das Pensionsalters der Frauen (60) an das der Männer (65) wissen. Das hat Bundesparteiobmann Sebastian Kurz unter Verweis auf den „Vertrauensschutz“ klargestellt. Also wird es dabei bleiben, dass die Anpassung erst von 2024 bis 2033 schrittweise erfolgen wird.

Das ist bemerkenswert: Immer mehr Frauen arbeiten nämlich ohnehin schon über den 60. Geburtstag hinaus. Siehe Statistik, die das Sozialministerium für die gesetzliche Pensionsversicherung führt: 42.073 gingen im vergangenen Jahr in Pension. Gut ein Achtel davon aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in die Invaliditätspension. Sprich: Sieben von acht (bzw. 37.313) schafften es in die Alterspension. Und bei ihnen betrug das durchschnittliche Antrittsalter bereits 60,29 Jahre.*

Jetzt kann man feststellen, dass die Frauen schon viel weiter seien als die Politik. Indem diese so tut, als würde das Pensionsalter 60 noch immer ausreichen, kommt aber auch ein gewisser Zynismus ihrerseits ins Spiel: Es reicht den Frauen ganz offensichtlich eben nicht aus.

Über die Gründe, die Frauen dazu bringen, länger zu arbeiten als sie wirklich müssten, kann man spekulieren. Naheliegend ist aber, dass sie sich aus finanziellen Überlegungen dazu gezwungen sehen, sind ihre Pensionsansprüche doch wesentlich niedriger als die der Männer.

Diesen Schluss lassen jedenfalls die Ansprüche zu, die all jene erreicht hatten, die im vergangenen Jahr in die Alterspension gingen: In Vorarlberg kamen Frauen laut einem VN-Bericht auf 965,58 Euro – und damit halb so viel wie Männer (1998,04 Euro). Am besten im Bundesländervergleich schnitten noch Frauen in Wien ab – mit 1237,82 Euro kamen aber auch sie nicht annähernd an die durchschnittliche Männer-Alterspension heran, die 2016 neu gewährt wurde (1954,73 Euro).

Die Pensionspolitik ist freilich voller Widersprüche: Wie bereits vergangene Woche dargestellt, sorgen sozial gestaffele Erhöhungen über die Jahre zu einer Annäherung der Pensionsleistungen. Soll heißen: Wer überdurchschnittlich hohe Versicherungsbeiträge leistet, hat immer weniger davon. Doch das ist eine andere Geschichte.

*) Anmerkung: Die Werte zum Pensionsantrittsalter beziehen sich ausschließlich auf die Pensionsversicherung. Beamtinnen, die den Schnitt heben würden, sind darin also nicht enthalten.  

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