Orbán-Effekt

ZAHLEN ZUM TAG. Angstmache vor Fremden ist eher dort am wirkungsvollsten, wo relativ wenige leben. 

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ZAHLEN ZUM TAG. Angstmache vor Fremden ist eher dort am wirkungsvollsten, wo relativ wenige leben.

Man kann sich eigentlich nicht mehr darüber wundern: Politische Angstmache vor Fremden ist dort am wirkungsvollsten, wo die wenigsten leben. Siehe Ungarn: „Wir stehen vor der größten Schlacht“, hatte Ministerpräsident Viktor Orbán vor der Parlamentswahl Anfang April erklärt: „Man will, dass wir unser Land im Laufe mehrerer Jahrzehnte freiwillig anderen überlassen, Fremden, die von anderen Kontinenten kommen, (…) die unsere Kultur, Gesetze und Lebensform nicht respektieren.“

Das war eine zentrale Botschaft Orbáns – in einem Land, in dem die Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf einen Anteil von gerade einmal 1,6 Prozent kommt; wobei es sich zu mehr als der Hälfte um „EU-Ausländer“ handelt. Doch die Botschaft wirkte: Orbáns Fidesz kam auf knapp 50 Prozent der Stimmen.

Was die These untermauert: Wo Fremde praktisch unbekannt oder weniger präsent sind, ist politische Angstmache am wirkungsvollsten; das Unbekannte ist besonders bedrohlich. Siehe auch Österreich: Vergleicht man Migrantenanteile und FPÖ-Ergebnisse bei der Nationalratswahl 2017 nach Bundesländern miteinander, zeigt sich, dass die Partei eher dort besser abschnitt, wo weniger Zugewanderte (oder unmittelbare Nachkommen) leben.

In Wien ist der Migrantenanteil mit 42,8 Prozent mit Abstand am höchsten; die FPÖ schnitt dort mit 21,3 Prozent am schlechtesten ab. In Vorarlberg ist der Migrantenanteil am zweithöchsten, die FPÖ kam auf das zweitschlechteste Ergebnis. In der Steiermark und in Kärnten ist der Migrantenanteil unter- und das FPÖ-Ergebnis überdurchschnittlich. Ausnahme: Das Burgenland wich mit einem relativ bescheidenen Parteistimmenanteil und dem niedrigsten Migrantenanteil signifikant davon ab.

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