Mit Nichtwählern ist keine Wahl zu gewinnen

ANALYSE. Ein Teil der Österreicher hat mit Politik exakt null am Hut und geht daher nie wählen. Und: Den Grünen stehen sie am wenigsten nahe. 

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ANALYSE. Ein Teil der Österreicher hat mit Politik exakt null am Hut und geht daher nie wählen. Und: Den Grünen stehen sie am wenigsten nahe.  

Die Nichtwähler sind gefragt: Auch bei der Nationalratswahl 2013 waren sie zahlreicher als die Wähler der größten Partei (SPÖ). Rein theoretisch ist damit viel möglich. Und das suggeriert auch der (wohl) scheidende Grünen-Abgeordnete Peter Pilz.

Die SPÖ erreichte 2013 1,24 Millionen Stimmen. Die Nichtwähler waren mit 1,74 Millionen noch zahlreicher. Doch wer waren sie? Eine erste Annäherung ist über die SORA-Wahlanalyse möglich. Sie zeigt, dass mehr als zwei Drittel (1,25 Millionen) davon bereits an der Nationalratswahl 2008 nicht teilgenommen hatten. Und bei der Nationalratswahl 2006 hatten mit 1,13 Millionen die meisten Nichtwähler auch schon an dem Urnengang zuvor nicht teilgenommen. Das zeigt, dass zumindest mehrere Hunderttausend, wenn nicht gar eine Million, an der Demokratie nicht aktiv teilhaben; und das wäre immerhin gut jeder sechste Wahlberechtigte.

Ein paar Nichtwähler des Jahres 2013 hatten 2008 eine Partei gewählt: Ein Zehntel die SPÖ; 173.000 nämlich. Jeweils knapp halb so viele ÖVP, FPÖ oder BZÖ. Und nur 54.000 die Grünen.

Studien über die Nichtwähler lassen noch mehr Aussagen über sie zu. Wobei eine Untersuchung der deutschen Bertelsmann-Stiftung insofern bemerkenswert ist, als es ihr darum ging, ein soziales Profil zu erstellen. Und weil sie zumindest eine Ahnung auch für Österreich liefern kann, sei sie an dieser Stelle erwähnt: „Vor allem sozial benachteiligte Menschen aus den Milieus der Unterschicht und der unteren Mittelschicht“ verzichteten demnach bei der Bundestagswahl 2013 auf ihr Wahlrecht.

Links-Intellektuelle sowie „das konservativ-etablierte Milieu, das Milieu der Performer und das sozialökologische Milieu“ brachten es auf die höchste Wahlbeteiligung (bis zu 88 Prozent). „In sozial benachteiligten Schichten hingegen war die Bereitschaft zur Stimmabgabe grundsätzlich niedriger. Die mit knapp unter 50 Prozent geringste Wahlbeteiligung gab es im Milieu der sogenannten Hedonisten, einer konsumfreudigen Gruppe der Unter- und Mittelschicht.  Auch im prekären Milieu, das sich durch Zukunftsängste und geringe Aufstiegschancen auszeichnet, war die Wahlbeteiligung mit annähernd 60 Prozent eher gering.“

Wenn man davon ausgeht, dass sich diese Verhältnisse nicht ganz von denen in Österreich unterscheiden, dann lässt das für Pilz zwei Schlüsse zu: Wenn er Nichtwähler mobilisiert, tut er den Grünen am wenigsten weh; sie zu mobilisieren ist auf der anderen Seite zwar schwer, am ehesten aber wohl wirklich mit einem linkspopulistischen Kurs möglich, wie er ihn schon in der Vergangenheit gefordert hat.

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