Mit Hofer untergehen

ANALYSE. Bisher hat niemand eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem FPÖ-Kandidaten führen können. Von Van der Bellen eine solche zu erwarten, ist jedoch ganz und gar absurd.

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ANALYSE. Bisher hat niemand eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem FPÖ-Kandidaten führen können. Von Van der Bellen eine solche zu erwarten, ist jedoch ganz und gar absurd.

Das Befremden darüber, dass sich die Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen am Sonntagabend auf ATV selbst beschädigt haben, ist bemerkenswert. War es doch nur der bisherige Höhepunkt einer Entwicklung, die vor allem auch medial befeuert wurde. Der Sender selbst kündigte ein „Duell“ an. Und was haben die beiden geliefert? Ein Duell. Das Niveau mag unter jeder Kritik gewesen sein; doch das war ganz offensichtlich einkalkuliert – wenige Tage vor einer Entscheidung, die für Österreich unabsehbare Folgen haben wird, soll es sich laut Vorabmoderation doch nur um ein „Experiment“ gehandelt haben, zwei Politiker einmal alleine miteinander reden zu lassen.

Im Nachhinein weiß man natürlich immer alles besser. Dass das Experiment aber danebengehen würde, musste erwartet werden: Hat sich Norbert Hofer jemals auf ein Gespräch eingelassen? Ist er schon einmal auf Fragen eingegangen und hat präzise Antworten gegeben? Bisher hat ihn niemand dazu bringen können: Wenn’s ernst wird, ist er noch immer entglitten. Eine Kornblume hat er bei seiner Angelobung als Nationalratsabgeordneter einfach nur getragen, weil sie blau ist, wie seine Partei. Und nicht, weil es sich um ein deutschnationales Symbol handelt. Oder: Vor einem Monat warnte er, man werde sich noch wundern, was das Staatsoberhaupt alles könne. Auf den Zahn fühlen, was genau er damit meint, lässt er sich bis heute nicht. Im Zweifelsfall redet er sich darauf hinaus, dass das Recht vom Volk ausgehe und er als Vertreter ebendieses einem naturgemäß nicht näher fassbaren Volkswillen zum Durchbruch verhelfen werde. Das klingt nach direkter Demokratie, ist in Wahrheit aber nichts anderes als Willkür.

Vor allem Van der Bellens Bemühen, der Funktion gerecht zu werden, ist nun in Frage gestellt.

Damit umzugehen ist schwer: Wenn jemand nicht redlich argumentieren will in dem Sinne, dass er sich verbindlich und ernsthaft äußert, dann ist jede inhaltliche Auseinandersetzung zum Scheitern verurteilt. Bisher hat eine solche jedenfalls niemand zusammengebracht, sofern man sich neben Koch- und sonstigen Unterhaltungssendungen zur Wahl darum bemüht hat. Sonst wüssten so gut wie alle Österreicherinnen und Österreicher, was von Hofer zu halten ist: Entweder ist er naiv; oder er spielt den Wolf im Schafspelz. Beides würde ihn diskreditieren.

Das herauszuarbeiten kann aber nicht Alexander Van der Bellen überlassen werden. Gerade weil Hofer sich auf keinen sachlichen Diskurs einlässt, kann er dabei nur untergehen und damit sich selbst und das Amt des Bundespräsidenten beschädigen. Siehe das „Duell“ am Sonntagabend. Im Unterschied zu Hofer, dessen Partei ohnehin nie viel davon gehalten hat, kann Van der Bellen das Ergebnis ganz und gar nicht egal sein; im Gegenteil, vor allem sein Bemühen, der Funktion gerecht zu werden, ist in Frage gestellt.

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