Hofer funktioniert nicht mehr

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ANALYSE. Als FPÖ-Chef neben bzw. unter Strache und Kickl ist der 48-Jährige schwer überfordert und als Vizekanzlerkandidat für Kurz kaum brauchbar.

Nicht, dass sich Norbert Hofer nicht darum bemühen würde, FPÖ-Chef zu sein. Zunächst hat er sich ein Durchgriffsrecht ausbedungen und ebendieses nun auch erstmals angewendet (Suspendierung eines nö. Funktionärs wegen eines fünf Jahre alten Postings an Hitlers Geburtstag). Sein Problem ist jedoch, dass er nicht der Chef ist. In der freiheitlichen Hemisphäre ist er allenfalls der dritte Mann von rechts.

Man kann sich ja grundsätzlich die Frage stellen, ob Hofer im Jahr 2019 überhaupt ein geeigneter FPÖ-Chef sein kann. Was zunächst dafür spricht, ist seine Performance bei den Präsidentschaftswahlen vor drei Jahren. Damals hat er so viele Wähler gewonnen wie noch kein Freiheitlicher vor ihm. Das war eine Leistung. Unter ganz besonderen Umständen allerdings, die so nicht mehr existieren: Die Wähler hatten die Wahl zwischen ihm und Alexander Van der Bellen, dem ehemaligen Grünen-Sprecher. In einem Land, in dem es fast immer eine Mitte-Rechts-Mehrheit gibt bei Wahlen, sind 46 Prozent so gesehen keine große Leistung.

Zu den Assets von Hofer zählte damals, dass er sich als Kampfansage an ein sogenanntes „Establishment“ inszenierte. Das war von vornherein fragwürdig, nachdem er in seinem Leben außerhalb des Politikbetriebes in der Wiener City noch nicht viel kennengelernt hat. Und das kann er sich heute schon ganz und gar nicht leisten, nachdem er – vorzugsweise in feines Tuch gekleidet – einer Regierung angehört hat und dies auch bald wieder tun möchte.

Überdies präsentierte sich Hofer 2016 als besonnener Mann. Klar, bei einer Präsidentschaftswahl war das naheliegend. Genau das ist aber nicht das, was ein guter Teil der FPÖ-Wähler zum Beispiel bei einer Nationalratswahl haben möchte. Da ist etwas ganz anderes gefragt, nämlich das, was insbesondere Herbert Kickl liefert. Bissig-Brutales nämlich. Ein guter Teil der Stimmen wird daher in jedem Fall auf diesen zurückzuführen sein.

Bleibt Heinz-Christian Strache. Hofer hat ihn nicht aus der Partei ausgeschlossen. Praktisch tun könnte er das frühestens nach der Wahl. Doch auch dann wäre das zumindest vorübergehend schmerzlich für die Partei: Strache bleibt ein politischer Faktor. Kein anderer (Ex-)Politiker, von Sebastian Kurz vielleicht abgesehen, zieht so viel Aufmerksamkeit auf sich wie er. Im Positiven, wie im Negativen. Aber das ist im politischen Geschäft, in dem nichts Schlimmer ist, als gar kein Thema zu sein, fast schon wieder nebensächlich. Ein Achtungserfolg bleibt Strache trotz aller Spesenabrechnungen, dem Ibiza-Video und was auch immer noch kommen könnte, möglich. Sollte er mit einer eigenen Liste in die Wiener Gemeinderatswahl im kommenden Jahr ziehen, holt er ein paar Prozentpunkte, die wiederum der FPÖ fehlen werden, zumal sie selbst ja weit und breit keinen Strache-Ersatz hat. Also wird es sich Hofer zweimal überlegen, wie er mit seinem Vorgänger umgeht.

Sehr eindrucksvoll wird das Ganze in einer Google-Trends-Auswertung für die letzten drei Monate. Hintergrund: Was die Leute beschäftigt, das googeln sie. Ergebnis: Für Strache gab es in Österreich fast durchgehend viel, viel mehr Suchanfragen als für Kickl. Und für Kickl wiederum mehr als für Hofer. Er ist auch hier der Dritte, für ihn interessieren sich vergleichsweise wenige Menschen.

Dazu kommt dies: Mit Hofer ist aus ÖVP-Sicht schwer eine Regierung machen. Er ist nicht der Bestimmende in der FPÖ. Tonangebend ist Kickl, der möglicherweise Klubobmann bleibt (derzeit ist er geschäftsführender). Und störender Faktor, in welcher Rolle auch immer, ist weiterhin Strache. Das ist das eine. Das andere: So lange Kurz einen strengen Rechtskurs bittersüß serviert, wie es halt auch seine Art wäre, hat Hofer kein Alleinstellungsmerkmal im politischen Wettbewerb. Und das ist nichts, was er sich FPÖ-intern auf Dauer leisten kann.

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