Grüne im Zangengriff

ANALYSE. Kern und Kurz setzen der Partei genauso zu, wie es Pilz mit einer eigenen Liste tun würde. Umso bemerkenswerter, dass die Partei (noch) nicht auf ihre einzige Chance setzt. 

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ANALYSE. Kern und Kurz setzen der Partei genauso zu, wie es Pilz mit einer eigenen Liste tun würde. Umso bemerkenswerter, dass die Partei (noch) nicht auf ihre einzige Chance setzt.

Was die Grünen betrifft, so fallen in den Wahlanalysen der Vergangenheit zwei Dinge auf: Zum einen waren ehemalige ÖVP- und SPÖ-Anhänger eine wichtige Wählergruppe für sie. Und zum anderen war Korruptionsbekämpfung ein entscheidendes Motiv für ihre Wähler, sie zu unterstützen. Beispiel Nationalratswahl 2013: 15 Prozent der damaligen Grünen-Wähler hatten 2008 laut SORA-Analyse noch die SPÖ oder die ÖVP gestärkt; zusammen waren das immerhin gut 90.000 Frauen und Männer. Im Vergleich zu den Mitbewerbern das stärkste Motiv, die Grünen zu wählen, war im Übrigen die „größte Glaubwürdigkeit, um Missstände zu kontrollieren“. Ganze 84 Prozent ihrer Wähler gaben das an. Bei den anderen Parteien taten das jeweils nur rund 50 Prozent.

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Das unterstreicht, was es bedeutet, wenn die SPÖ mit Christian Kern und die ÖVP mit Sebastian Kurz nun besser aufgestellt sind als vor vier Jahren: Die Grünen müssen sich etwas neues einfallen lassen, um Anhänger der beiden Regierungsparteien zu überzeugen; es ist ungleich schwerer geworden. Zum anderen müsste es die Grünen extrem schmerzen, wenn sie mit Peter Pilz ausgerechnet den Mann zum Konkurrenten mit einer eigenen Liste bekämen, der die glaubwürdige Kontrolle von Missständen in ihren Reihen bisher am ehesten verkörpert hat.

Beides zusammen ist für sie eine Katastrophe. Theoretisch. Praktisch gibt es bei dieser Wahl natürlich ganz andere Rahmenbedingungen. Thematisch kreisen ÖVP, FPÖ, aber auch SPÖ (insbesondere mit Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil) um Flüchtlinge, Integration, Grenzkontrollen etc. Und zumal sie das mit einer ähnlichen Stoßrichtung tun, bliebe daneben ziemlich viel Platz, zumindest die Wähler anzusprechen, denen all das missfällt. Das ist wohl keine Mehrheit; aber auch zehn oder 20 Prozent würden damit ein Angebot bekommen.

Das Problem der Grünen ist nur, dass sie darauf nicht programmiert sind. Sie versuchen vielmehr, andere Themen zu setzen. Wie die hohen Wohnkosten unter dem Motto „Genug geblutet“. Das beschäftigt mit Sicherheit viele Österreicher, wird am 15. Oktober – aus heutiger Sicht – aber sicher nicht wahlentscheidend sein.

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