Gegenwind für Van der Bellen

ANALYSE. Im Präsidentschaftswahlkampf ist der ehemalige Grünen-Chef zuletzt in die Defensive geraten. 

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ANALYSE. Im Präsidentschaftswahlkampf ist der ehemalige Grünen-Chef zuletzt in die Defensive geraten.

Vier Wahlkämpfe für eine Entscheidung zu führen, ist schwer bis unmöglich. Das müssen auch die Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer erkennen. War es ihnen nach dem ersten Wahlgang bzw. vor der Stichwahl gelungen, Themen zu setzen und Aufmerksamkeit zu erwecken, so fiel ihnen das vor der für Oktober angesetzten und dann abgesagten Wiederholung schon nicht mehr so leicht. Ganz zu schweigen von dem nunmehrigen Wahltermin, dem 4. Dezember.

Zu schaffen macht die Sache derzeit offensichtlich eher dem ehemaligen Grünen-Chef, der die (dann aufgehobene) Stichwahl Ende Mai für sich entscheiden konnte: Nach der „Brexit“-Entscheidung und der freiheitlichen Kehrtwende bezüglich eines „Öxit“ schien er die besseren Karten zu haben. Nach den Terroranschlägen in Frankreich und dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei schlug das Pendel in Hofers Richtung aus.

Mitte Oktober gab Van der Bellen klein bei und verkündete, dass er „CETA“ heute nicht unterschreiben würde. 

Und dort befindet es sich nun auch in diesen Wochen: CETA hat Van der Bellen erst recht in die Defensive versetzt. Die Stimmungslage zum Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada ist klar; emotionsgeladen dagegen nämlich. Ebenso unmissverständlich ist die Haltung von Hofer; er würde das Abkommen als Bundespräsident nicht unterschreiben. Und Van der Bellen? Er hat es zunächst noch mit einer vorsichtigeren Linie versucht und wissen lassen, dass er das Abkommen „sorgsam prüfen“ würde. Damit kam er jedoch nicht durch. Differenzierung zählt bei diesem Thema nicht mehr. Mitte Oktober gab er klein bei und verkündete via Facebook: „Wäre ich jetzt bereits Bundespräsident und wäre CETA heute auf meinem Schreibtisch, würde ich das Abkommen nicht unterzeichnen.“ 

Größten Gesprächsstoff löste Van der Bellem damit aus, dass er Polizeischutz braucht. 

Bemerkenswerte Ergebnisse liefert auch eine Auswertung von Google-Trends: Sie zeigt nicht, wie gut jemand ankommt, wohl aber, wer die Österreicher wie sehr beschäftigt. Danach suchen sie nämlich. Van der Bellen lag ab der Stichwahl Ende Mai meist vor Norbert Hofer. Anders jedoch zuletzt; da hat sich die Reihenfolge gedreht (siehe Grafik).

Wobei sich in der Auswertung auch die Themen, die gerade behandelt wurden, widerspiegeln: In den vergangenen Wochen gab es vier Spitzen. Am 7. Oktober sorgte Van der Bellen mit der Meldung für Gesprächsstoff, dass er CETA „sorgsam prüfen“ werde und am 12. Oktober viel stärker mit Berichten, dass er nach Drohungen wieder Polizeischutz benötige. Am 21. Oktober erregte Hofer mit seinem Slogan „So wahr mir Gott helfe“ jedoch das größte Aufsehen. Van der Bellen konnte das am 25. Oktober mit seiner Kampagnenpräsentation nicht annähernd toppen.

Entscheidend für Van der Bellen ist, dass er demnächst ein Thema setzt. Andernfalls wird’s eine einzige Zitterpartie für ihn.

„So wahr mir Gott helfe“ kann Hofer nützen oder auch schaden. Entscheidend für Van der Bellen ist, ob es ihm demnächst gelingt, ein Thema zu setzen. Schafft er das nicht, könnte es für ihn eine einzige Zitterpartie geben.

 

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