Regierungsauftrag für die Grünen

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ANALYSE. Bei der steirischen Landtagswahl wurde deutlich, dass die Wählerinnen und Wähler der Partei eine türkis-grüne Koalition auf Bundesebene wünschen.

Dass die türkis-grünen Koalitionsverhandlungen bei Grünen-Wählerinnen und Wählern gut ankommen, ist keine Selbstverständlichkeit: Ziemlich viel Unmut hat sich in der Vergangenheit nicht nur gegen die FPÖ, sondern auch gegen die türkise ÖVP gerichtet. Bezeichnend waren denn auch Rufe, die nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos auf dem Ballhausplatz laut geworden sind: Bundeskanzler und ÖVP-Obmann Sebastian „Kurz muss weg“. Klar, von wem genau diese Aufforderung gekommen ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden; versammelt hatten sich damals jedoch eher junge, mitte-links stehende Leute und damit wohl auch ein paar grüne.

Wie auch immer: Bei der steirischen Landtagswahl ist für Grünen-Bundessprecher Werner Kogler extrem deutlich geworden, dass Türkis-Grün nicht nur geduldet werden würde, sondern vielmehr sogar gewünscht wird von der eigenen Wählerschaft.

Das lässt sich schon einmal aus dem Wahlergebnis ableiten: Die Grünen haben ihren Stimmenanteil auf mehr als zwölf Prozent verdoppelt. Gut, dafür könnte es auch landespolitische Gründe geben. Das Sozialforschungsinstitut SORA hat in Folge der Wahltagsbefragung jedoch zwei Ergebnisse geliefert, die das de facto ausschließen.

Erstens: 52 Prozent aller Wählerinnen und Wähler gaben an, dass ihre persönliche Wahlentscheidung nur eine „steirische Entscheidung“ gewesen sei. Weitere 47 Prozent erklärten, dass sie auch die „Bundespolitik und laufende Koalitionsverhandlungen mit einbezogen“ hätten. Bei den ÖVP-Wählerinnen und -Wählern allein sind diese Werte praktisch gleich groß. Ganz anders ist es jedoch bei den Grünen: Nur 18 Prozent sprachen von einer rein steirischen Entscheidung, 82 Prozent haben auch die bundespolitischen Entwicklungen berücksichtigt. Und diese haben sie ganz offensichtlich nicht davon abgehalten, grün zu wählen. Ganz im Gegenteil.

Zweitens: Viel deutlicher noch die Ergebnisse auf die Fragestellung, ob eine Bundesregierung aus ÖVP und Grünen gut wäre für Österreich: 50 Prozent der Grünen-Wähler fänden das „sehr“, 41 Prozent „ziemlich gut“. Das sind in Summe 91 Prozent (!). Bei den ÖVP-Wählern handelt es sich nur 16 bzw. 44 Prozent, alles in allem also 60 Prozent.

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