Mikl-Leitner hat das Altbauer-Problem

ANALYSE. Als Landeshauptfrau wird sie Erwin Pröll schnell ins Ausgedinge schicken müssen. Wobei man davon ausgehen kann, dass sie dazu in der Lage ist. 

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ANALYSE. Als Landeshauptfrau wird sie Erwin Pröll schnell ins Ausgedinge schicken müssen. Wobei man davon ausgehen kann, dass sie dazu in der Lage ist.

Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) hat ein starkes Ego. Das ist bekannt. Diese Dimension ist jedoch neu: Bei der Präsentation seiner Nachfolgerin auf einer Pressekonferenz in St. Pölten ließ er ebendiese ganz offensichtlich in seinem Schatten stehen. ORF.AT vermerkte jedenfalls: „Noch beanspruchte Pröll allerdings die Bühne in gewohnter Manier vor allem für sich.“

Ob das politisch klug war, ist fraglich. Ab sofort muss es für die niederösterreichische Volkspartei schließlich einzig und allein darum gehen, Johanna Mikl-Leitner zu pushen. Wobei sie selbst natürlich den größten Beitrag dazu leisten muss. Aus „Demut“ gegenüber Pröll tut sie sich damit freilich noch schwer. Ja sie macht sich neben ihm sogar unfreiwillig klein. Von wegen „große Fußstapfen“, der er hinterlasse und in die sie nun treten müsse: Was das heißt, ist eine kleine Katastrophe für sie; zumal die Bedeutung davon das ist, was von dieser Pressekonferenz übrigblieb: „Erwin Pröll war ein ganz und gar Außerordentlicher, ob ich das auch einmal sein werde, weiß ich nicht.“

Dass der Alt-Landeshauptmann von sich aus auf die Idee kommt, sich so konsequent zurückzuziehen, wie es etwa der Vorarlberger Ex-Landeschef Herber Sausgruber getan hat, indem er jahrelang kein politisches Interview mehr gab, um seinen Nachfolger Markus Wallner voll zur Entfaltung kommen zu lassen, ist fraglich: Natürlich will Pröll mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, reisen und Rad fahren. Seltsam mutet jedoch seine Aussage in einem „Österreich“-Interview an, die sich auf seine politische Zukunft bezieht: „Wenn mein Rat gewünscht ist, gebe ich ihn sehr gerne. Wenn nicht, weiß ich mit meiner Zeit sicher etwas anzufangen.“

Wie soll man jemandem, der sich so freundlich anbietet, erklären, dass man ihn nicht braucht?

Wie soll man jemandem, der sich so freundlich anbietet, erklären, dass man ihn nicht braucht? Das ist gar nicht so einfach. Mikl-Leitner sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Sie hat (bei Pröll) eine harte Schule genossen. Auch als Innenministerin hat sie gelernt, sich unbeliebt zu machen. Und überhaupt: Immerhin hat sie dieser Tage auch schon darauf hingewiesen, dass Erwin Pröll und sie zwei unterschiedliche Persönlichkeiten seien und sie sich auch neuen Themen widmen wolle; der Digitalisierung beispielsweise.

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