ORF: Störung in Vorarlberg

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BERICHT. Auch die Bestellung von Landesdirektoren wäre von öffentlichem Interesse. Im äußersten Westen zeigt sich geradezu skandalös, wie sehr unter allen Umständen darauf gepfiffen wird.

Man muss immer wieder daran erinnern, dass der ORF öffentlich-rechtlich und allen Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet ist. Vergessen machen könnte das die Politik. Jüngstes Beispiel: Die Bestellung der Landesdirektorinnen und -direktoren, die nach jener von Generaldirektor Roland Weißmann auf dem Programm steht. Naheliegend wären hier einmal mehr transparente Entscheidungsprozesse. Ja, aus Respekt gegenüber den erwähnten Bürgerinnen und Bürgern wäre es das Mindeste, dass Kandidatinnen und Kandidaten sich und ihre Vorstellungen zunächst öffentlich präsentieren dürfen.

Sie übernehmen nicht irgendeinen Job: Der ORF hat in den meisten Ländern eine herausragende, wichtige und mächtige Stellung, wenn es um Information geht. Im Burgenland und in Niederösterreich gibt es daneben nicht einmal eine täglich erscheinende „Landeszeitung“. „Bundesland heute“ gehört regelmäßig zu den meistgesehenen Sendungen des ORF.

Entsprechend groß sind die Verlockungen für die vorherrschende Landespolitik, die überwiegend gleichzusetzen ist mit dem Landeshauptmann, Einfluss auf Inhalte und überhaupt die gesamte Ausrichtung der Landesstudios zu nehmen. Was umgekehrt wiederum bedeuten könnte, dass sie aus demokratiehygienischen Gründen und um jedem Verdacht vorzubeugen, erst recht auch selbst an einer transparenten Direktorenbestellung interessiert sein müssten. Zumal sie dabei laut ORF-Gesetz ein Anhörungsrecht haben, das praktisch darauf hinausläuft, dass ihre Präferenz maßgebend ist.

Praxis ist und bleibt das Gegenteil davon. Man schert sich nicht einmal darum, was von den Leuten draußen wie wahrgenommen wird. In roten wie in schwarz-türkis geführten Bundesländern, wie diesem „Standard“-Bericht zu entnehmen ist, in dem es abschließend etwa zu einem Kandidaten in Kärnten heißt, er verfüge „über einen guten Draht zum dortigen Landeshauptmann Peter Kaiser“ (SPÖ). Sprich: So etwas gilt österreichweit als Qualifikation.

Geradezu skandalös ist die Direktorenbestellung unter vollkommener Ausschließung der gebührenzahlenden Öffentlichkeit in Vorarlberg. Markus Klement soll im Amt bestätigt werden, berichten die VN. Man kann sich wundern, dass Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) nichts dagegen einzuwenden hat und ORF-Generaldirektor Weißmann das offensichtlich möchte.

Schon kommen aus dem Landesstudio Meldungen über Verhältnisse ebendort, die eher dazu angetan wären, eine Untersuchungskommission dorthin zu schicken und den Chef zumindest bis zum Abschluss ihrer Arbeit nach Hause zu schicken. In einem Mitarbeiterbrief heißt es laut VN, der ORF sei „journalistisch extrem ausgehöhlt und ,klimatisch’ in ein Haus der Unterdrückung und Angst verwandelt“ worden.

Gedacht war diese Botschaft als Leserbrief, der aber nie abgeschickt wurde: Falter-Herausgeber Armin Thurner hat ihm einen eigenen Blogbeitrag gewidmet, in dem er berichtet, dass sich die Mitarbeiter nicht getraut hätten, sich zu outen. Die Frage nach dem Warum beantworten sie in dem Brief, den Thurnher ausführlich zitiert, selbst: „Wer es wagt, Dinge zu hinterfragen, wird separiert, versetzt, gekündigt oder „entlassen“, mindestens mit Gesprächsverweigerung „bestraft“. Es gibt keine Mitarbeiterführung, keine Gesprächs-, keine Reform-, keine Evaluierungs-Kultur. Mütter, die Teilzeit arbeiten, müssen um ihren Job bangen, werden so eingeteilt, dass sich Kinderbetreuung und Arbeit nicht in Einklang bringen lassen, in zahlreichen Fällen wurden ihre Verträge nicht verlängert, andere wurden rausgeekelt.“

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