Tirol lieferte den Weckruf

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ANALYSE. Zuerst war das westliche Bundesland ganz massiv vom Coronavirus betroffen. Auf andere hat es sich zwar ausgebreitet, ganz offensichtlich ist für sie aber mehr Zeit geblieben, wirkungsvoll zu reagieren.

Mit der Entwicklung bestätigter COVID-19-Fälle ist das so eine Sache: Aussagekräftig werden die Zahlen zum Beispiel erst nach einer gewissen Zeit und ab einer bestimmten Größe. Eine Möglichkeit, trotzdem Vergleiche durchzuführen, ist, die Entwicklung ab 100 Fällen pro 100.000 Einwohner zu verfolgen. Das Ergebnis für Bundesländer, für die das zutrifft, ist bemerkenswert.

Österreichweit gibt es seit 30. März mehr als 100 bestätigte COVID-19-Infektionen pro 100.000 Einwohner. An jenem Tag handelte es sich um 105, am 31. März bereits um 113. „Getrieben“ wird diese Entwicklung vor allem von Tirol.

Doch machen wir zunächst einen Schritt zurück: Nicht nur, aber ganz besonders auch von Tiroler Skigebieten aus hat sich das Virus in Europa ausgebreitet. Viele Tirolerinnen und Tiroler leiden selbst darunter, ihr Bundesland war das erste österreichische, das massiv von der Pandemie betroffen war und ist. Ja, hier gab es bisher am ehesten die exponentielle Entwicklung, von der immer wieder gesprochen wird.

Das war Österreich eine Warnung: Am 15. März, als die Bundesregierung weitreichende Ausgangsbeschränkungen und andere Maßnahmen verkündete, gab es bundesweit 9,7 bestätigte Fälle pro 100.000 Einwohner und in Tirol schon ganze 33,5. Am 23. März – und damit eine Woche vor Gesamtösterreich – handelte es sich in Tirol um mehr als 100; es waren 106, um genau zu sein. Wobei es am Vortag „nur“ 85 und am Folgetag bereits 165,5 waren. Relativ steil ging die Kurve weiter. Am 31. März belief sich die Rate auf 306,5.

Mit Abstand folgten Vorarlberg und Salzburg mit mehr als 100 Fällen. Salzburg ist nach sechs und Vorarlberg nach sieben Tagen ungefähr dort, wo Tirol schon nach einem Tag gewesen ist. Außerdem dazugekommen ist nun Oberösterreich, das nach zwei Tagen bei 107,1 Fällen pro 100.000 Einwohner hält.

These: Tirol war ein Weckruf für die Bundesregierung, zu einschneidenden Maßnahmen zu schreiten. Insofern ist es ein bisschen daneben, stolz zu behaupten, man sei damit früher dran gewesen als viele andere Staaten. Das hatte seinen Grund: Für Tirol hatte es bereits Zwölf geschlagen, aber für die übrigen Bundesländer konnte gerade noch gegengesteuert werden.

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1 Comment
  1. michael m-e 6 Monaten ago

    Tirol liefert auch nicht gerade den besten Nachruf:
    .
    „Und ich sage ganz klar, so eine Nummer wie in Österreich, dass man erst Geld verdient und zu spät handelt, das geht nicht. Wir stellen die Gesundheit unserer Bevölkerung und unserer Gäste über die wirtschaftlichen Interessen.“
    Manuela Schwesig – Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.
    .
    # https://www.tagesschau.de/inland/schwesig-coronavirus-101.html

    Reply

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