Schluss mit „Massentests“

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ANALYSE. Allein schon mit dem Begriff wird im Hinblick auf eine notwendige Massenimpfung zu viel kaputt gemacht.

Die „Massentests“ sind gescheitert. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) stellt sich jedoch voll in den Dienst von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der ihn mit dieser Initiative im November überrascht hatte, spricht von einem guten Start und hält an einer weiteren Runde Anfang Jänner fest. Das kann nicht gut gehen. Im Hinblick auf eine erforderliche Massenimpfung bald darauf wird damit sogar gefährlich viel kaputt gemacht.

Wenn man sieht, dass ein Ziel unerreichbar geworden ist, kann man es adaptieren oder daran festhalten. Bei den Tets passiert letzteres. Zwei Drittel hätten wohl zumindest mitmachen müssen, damit sie wirklich wirkungsvoll geworden wären. Herausgekommen ist nicht einmal das eine Drittel, auf das Sebastian Kurz in aller Bescheidenheit hoffte. Schlimm: Schon kursieren Überlegungen, die Leute mit 50-Euro-Gutscheinen zu einer Teilnahme bei der zweiten Runde zu motivieren. Ganz brutal formuliert würden damit (bisher) Verantwortungslose auf Kosten von (bereits) Verantwortungsvollen belohnt werden.

Man muss jedoch vorsichtig sein mit solchen Zuschreibungen: Ist es verantwortungsvoll, bei einer Momentaufnahme mitzumachen, die in keine Gesamtstrategie eingebettet ist? Na ja.

Man könnte sogar die Hypothese durchargumentieren, dass die Politik mit diesen Massentests mehr Schaden angerichtet hat: Eben weil sie in keine Strategie eingebettet waren und weil Kurz mit der Aktion sogar seinen Gesundheitsminister überraschte, haben sie eher zu einem weiteren Vertrauensverlust des Krisenmanagements beigetragen, für das Vertrauen ein extrem hohes Gut wäre.

Das ist das eine. Das andere: Wenn eine kritische Masse nicht an Massentests teilnimmt, sollte man auf der Stelle aufhören, von Massentests zu sprechen. Sonst wird das Ganze lächerlich. Zumal einzelne Länder jetzt ohnehin auch anfangen, jeden, der will, jederzeit zu testen. Sprich: Viel mehr als das nicht einmal eine Drittel werden es aus heutiger Sicht auch bei der zweiten Runde kaum werden.

Von Mal zu Mal wird die Politik dann noch weniger ernst genommen werden. Man mag gar nicht daran denken, wie es sein wird, wenn sie zur Massenimpfung aufruft: Die Voraussetzungen sind denkbar schlecht.

Mit der Verantwortungslosigkeit von Bürgerinnen und Bürgern ist das wie erwähnt so eine Sache. Es gibt sie. Gefragte Kunst wäre es jedoch, Verantwortungsbewusstsein zu fördern: „Message Control“ bzw. eine Kommunikation, die evidenzbefreit ist und erwachsene Menschen entmündigt, tut das ebenso wenig wie der Parallelslalom, den Kurz und Anschober bei zu vielen Maßnahmen (Corona-Ampel, Stopp-Corona-App, …) gegeneinander fahren, oder dieses ständige Wechselspiel aus Lockerungen und Verschärfungen ohne Eingeständnis, dass es gar nicht möglich ist, permanent richtig zu liegen. All das ist eher dazu angetan, sich abzuwenden und allein aufs kurzfristig-persönliche Wohlbefinden zu achten.

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