Von wegen Migrationshintergrund

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ZAHLEN ZUM TAG. Jeder Dritte hat die österreichische Staatsbürgerschaft, viele sind Nachfahren von Bürgern anderer EU-Länder.

Die Informationspolitik türkiser Regierungsmitglieder ist hochprofessionell und wirkungsvoll: Vor einem Ereignis werden Medien gezielt mit Details gefüttert. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ließ unlängst vor seiner Rede zur „Corona-Lage“ verbreiten, dass der Sommer 2021 wieder „normal“ werden dürfte. Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) ließ am Wochenende vor Präsentation der „Integraiontsberichtes“ wiederum sickern, dass schon ein Viertel der Menschen in Österreich einen Migrationshintergrund hätten. Wobei das Beste für sie war: Die Geschichte wurde auch genau so transportiert, oft auch noch mit einem Porträtfoto von ihr; das ist für Politikerinnen und Politiker fast so wichtig wie der Text.

Zum Migrationshintergrund: Es ist korrekt, dass gut ein Viertel der Männer, Frauen und Kinder einen Migrationshintergrund hat. Laut Zahlen, die die Statistik Austria ohnehin längst führt, handelte es sich im vergangenen Jahr um durchschnittlich 2,07 Millionen bzw. 23,8 Prozent aller Personen in Privathaushalten.

Migrationshintergrund heißt, dass beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Bei 1,25 Millionen sind sie das in Nicht-EU-Staaten. Und davon wiederum bei einer halben Million im „ehemaligen Jugoslawien“ (Statistik Austria) und einer Viertelmillion in der Türkei. Immerhin 816.000 stammen aus einem anderen EU-Land, also etwa Deutschland oder Rumänien.

Viele Menschen mit Migrationshintergrund sind schon lange in Österreich und mehr als ein Drittel davon hat auch die österreichische Staatsbürgerschaft: Bei 744.900 ist das der Fall, um genau zu sein. Im Übrigen sind mehr der übrigen Leute Bürger eines anderen EU-Landes (687.300) als eines Nicht-EU-Landes (637.900).

Pikant außerdem: Ohne Menschen mit Migrationshintergrund würde Österreich schrumpfen und noch massiver altern. Die Zahl der Personen mit keinem Migrationshintergrund ist seit 2008 von 6,8 auf 6,7 Millionen gesunken, die Zahl alljener mit Migrationshintergrund von eineinhalb auf zwei Millionen gestiegen.

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