Von wegen Auslastung

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ANALYSE. Corona: Bei den Kapazitäten zur Behandlung schwerer Erkrankungsfälle wird das Versagen des Krisenmanagements deutlich.

Am Ostermontag gab es in ganz Österreich 562 Corona-Intensivpatientinnen und -patienten. Da und dort hat sich die Lage zugespitzt. Dramatisch ist sie schon lange. Worüber man sich wundern muss, sind jedoch unvollständige und zum Teil auch zweifelhafte Angaben zu den Kapazitäten. These: Hier kommt auch ein Versagen des politischen Krisenmanagements zum Ausdruck.

Damit kein Missverständnis entsteht: Jeder schwere Erkrankungsfall ist einer zu viel. Und: Wenn die Zahl bestätigter Infektionen und in weiterer Folge auch die der Intensivpatientinnen und -patienten einmal stark oder gar exponentiell steigt, können die Kapazitäten letzten Endes gar nicht groß genug sein; in kurzer Zeit sind sie dann immer erschöpft.

Mehr als ein Jahr nach Beginn der Pandemie tut die Politik aber noch immer so, als könnten Coronafälle im gewöhnlichen Spitalsbetrieb mitbehandelt werden. Das ist ein zugespitzte Formulierung, die sich jedoch darauf stützt: Österreich hat gelernt, dass Intensivstationen eigentlich immer (fast) voll sind. Von daher müssen sie in einer Pandemie kollabieren.

Wobei man nichts Genaueres sagen kann: Der Website des Gesundheitsministeriums ist zu entnehmen, dass es insgesamt 2567 Intensivbetten gibt. Die Zahl stammt aus Vor-Corona-Zeiten (2019). Darüber, dass sie in der Pandemie erhöht worden ist, gibt es keine Angaben. Also wird es auch kaum dazu gekommen sein.

Bemerkenswert ist überdies, dass es nicht einmal Angaben zu den vorhandenen Ressourcen insgesamt gibt. Konkret: Wie viel Personal steht zur Verfügung? Ein Intensivbett ohne Ärztinnen und Ärzte und viele andere Fachkräfte ist schließlich wertlos.

Was Österreich außerdem gelernt hat in der Pandemie: Auf Kosten anderer Patientinnen und Patienten, die dann nicht entsprechend behandelt werden können, wird ein Teil der Intensivbetten gewissermaßen umgewidmet: Wenn die staatliche Gesundheitsagentur AGES von einer „Corona“-Intensivbetten-Auslastung von 53 Prozent berichtet, dann bezieht sich das allein auf diese umgewidmeten Betten. Gemessen an sämtlichen Intensivbetten beträgt die Auslastung nicht 53, sondern 22 Prozent.

Gerade weil davon auszugehen ist, dass Corona nicht mehr verschwinden wird und jederzeit auch ganz andere Pandemien folgen könnten, wird das wohl eine der Lehren sein: Zunächst einmal wird Selbstverständliches nötig; nämlich eine schlichte, aber umfassende Echtzeit-Darstellung der Kapazitäten im Spitalsbereich. Darüber hinaus geht es um die Frage, wie schnell und flexibel zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden könnten. Sprich: Ein „Alarmplan“, in dem steht, wo Betten aufgestellt und zum Beispiel pensionierte Ärztinnen und Ärzte rekrutiert werden könnten.

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1 Comment
  1. Alex M 2 Monaten ago

    Bei pensionierten Ärztinnen und Ärzten wäre ich beim Einsatz im Corona Kontakt zurückhaltend, da es sich hierbei um die Risikogruppe handelt. Ein Tausch wäre hier sicherlich die bessere Idee. Bei allem was sonst in dem Artikel steht, gehe ich vollends mit. Etwas vorausschauend und mit einem Plan B ausgestattet hätte uns diese Regierung einiges ersparen können.

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