Bleibender Impfschaden

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BERICHT. Corona: Mehr als 80 Prozent der Älteren ignorieren die Empfehlung des Nationalen Impfgremiums.

„Die Impfpflicht kam als überraschender politischer Kompromiss auf der erwähnten Konferenz der Landeshauptleute am Achensee zustande. Diese Entscheidung bildete damit nicht den nachvollziehbaren Abschluss einer vorangegangenen öffentlichen Debatte, sondern erschien als politische Ad-hoc-Lösung.“

„Der Abwägungsprozess war weder transparent noch öffentlicher Deliberation zugänglich. Wichtiger noch: Es gab auch im Vorfeld der Entscheidung keine strukturierte, plurale und ergebnisoffene Debatte.“

„Schließlich wurde ein politischer Ad-hoc-Kompromiss mangels begleitender Kontroverse durch den Rekurs auf Sachzwänge außer Streit gestellt, was zur Folge hatte, dass die individuelle Einstellung zum Impfen zum Gegenstand moralischer Auf- oder Abwertung wurde.“

Sätze wie diese finden sich im Bericht zum „Corona-Aufarbeitungsprozess“, der auf Initiative der Regierung unter Federführung der „Österreich Akademie der Wissenschaften“ durchgeführt worden ist. Praktische Folgen konnte man schon damals sehen: Unmittelbar nach besagter Landeshauptleutekonferenz ließ sich kaum noch jemand impfen. Viele, die es bis dahin nicht getan hatten, taten es jetzt erst recht nicht mehr.

Die Impfpflicht wurde in weiterer Folge zwar beschlossen, es wurde aber nie ernstgemacht damit. Praktische Folgen sind geblieben: Es lässt sich weiterhin kaum noch jemand impfen.

Natürlich: Corona hat an Schrecken verloren, kann aber nach wie vor zu einer so schweren Erkrankung führen, dass eine intensivmedizinische Behandlung notwendig wird. Vorläufen Angaben zufolge gab es Ende des vergangenen Jahres in Österreich bis zu 55 solche Fälle pro Woche.

Das Nationale Impfgremium (NIG) empfiehlt seit dem vergangenen Sommer grundsätzlich ab 12-Jährigen, besonders aber ab 60-Jährigen eine Coronaimpfung; sowie Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Erkrankungsverlauf und medizinischem Gesundheitspersonal. Die Feststellung, dass das nicht einmal ignoriert wird, ist nicht weit übertrieben.

Seit Kurzem weist der Dachverband der Sozialversicherungsträger auf einer eigenen Seite Impfdaten aus. Konkret zur Anzahl der Personen, für die seit dem 1. September mindestens eine Impfung im elektronischen Impfpass dokumentiert wurde. Ergebnis: Es handelt sich um eine Minderheit. Und zwar selbst bei allen ab 60-Jährigen. Über 80 Prozent ignorieren die NIG-Empfehlung demnach. Nur 15,1 der Männer und 17,1 Prozent der Frauen ließen sich hier in den vergangenen Monaten eine (Auffrischungs-)Impfung verabreichen.

In der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen allein handelt es sich um 12,6 Prozent der Männer und 13,2 Prozent der Frauen. Bei den 70- bis 79-Jährigen sind es 18,9 bzw. 17,4 Prozent. Besonders groß ist der Unterschied nach Geschlecht bei ab 80-Jährigen: Einer Quote von 16,8 Prozent bei Männern steht eine solche von 21,7 Prozent bei Frauen gegenüber.

Die Prozentwerte sind von dieSubstanz.at ermittelt worden. Und zwar auf Basis der Impfdaten zum 8. Jänner und der Bevölkerungsdaten der Statistik Austria für Anfang 2023, zumal für 2024 noch keine vorliegen.

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