EU-Wahlen: Wenig Beteiligung, viele ungültige Stimmen

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ANALYSE. Bei Europawahlen ist der Anteil ungültiger Stimmen um ein Vielfaches größer als zum Beispiel bei Nationalratswahlen.

Europawahlen kennzeichnen sich unter anderem durch diese Phänomene: Zumindest in Österreich ist die Wahlbeteiligung ungewöhnlich niedrig und der Anteil ungültiger Stimmen ebenso ungewöhnlich hoch. Wobei es eine Erklärung geben könnte, die sowohl auf das eine als auch das andere zutrifft.

Bei der EU-Wahl 2014 belief sich die Wahlbeteiligung auf 45,4 Prozent. Sprich: Die Mehrheit blieb zu Hause. Sie fühlte sich durch kein Angebot angesprochen, war schlicht nicht daran interessiert oder was auch immer; sie ließ sich in jedem Fall schlicht nicht mobilisieren. Zum Vergleich: An der Nationalratswahl 2017 nahm nur eine Minderheit von 20 Prozent nicht teil; die Wahlbeteiligung belief sich damals auf ganze 80 Prozent.

Bemerkenswerterweise kommt bei EU-Wahlen auch noch dies dazu: Obwohl ohnehin schon relativ wenige wählen gehen, wählen auch noch relativ viele ungültig. Österreichweit belief sich der Anteil dieser Stimmen 2014 auf genau drei Prozent und war damit drei Mal größer als bei der Nationalratswahl.

Die Unterschiede nach Bundesländern waren bei dieser EU-Wahl extrem groß. In Wien, Tirol und Vorarlberg, wo die Wahlbeteiligung unterdurchschnittlich war, war auch der Anteil ungültiger Stimmen relativ gering. Im Burgenland, wo die Wahlbeteiligung mit mehr als 50 Prozent überdurchschnittlich war, war der Anteil ungültiger Stimmen mit jeweils 4,1 Prozent dagegen sehr groß. Mögliche Erklärung: Hier betrachteten es sehr viele Menschen zwar als staatsbürgerliche Pflicht, wählen zu gehen. Wie jene, die zu Hause blieben, konnten sie jedoch nichts mit dem Angebot anfangen und wählten daher ungültig.

Vor diesem Hintergrund ist es im Übrigen zweifelhaft, ob zum Beispiel die Einführung einer Wahlpflicht sinnvoll wäre: Unter Umständen würde das auf einen sehr viel größeren Anteil ungültiger Stimmen hinauslaufen.

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