Mythos: Arbeitskräfte aus dem Osten nehmen Jobs weg

ANALYSE. Ein großer Teil hilft beispielsweise im Tourismus aus. In Gegenden, wo die Arbeitslosigkeit am niedrigsten ist. 

-

ANALYSE. Ein großer Teil hilft beispielsweise im Tourismus aus. In Gegenden, wo die Arbeitslosigkeit am niedrigsten ist.

Die Arbeiterkammer hat sich schon immer gegen einen Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt gesträubt. Dass Ungarn und Rumänen die europäischen Grundfreiheiten zur Gänze zugestanden werden, hat sie nicht verhindern können. AK-Direktor Werner Muhm will nun jedoch einen Teil davon rückgängig machen; zu groß ist seines Erachtens der Zustrom, der da zustande gekommen ist. Höchste Zeit also, die Fakten unter die Lupe zu nehmen. Das relativiert einiges.

Dass Arbeitskräfte aus Osteuropa nach Österreich kommen, um sich hier niederzulassen, ist ein Mythos. Ein großer Teil geht nach wenigen Monaten wieder. Das zeigen die Wanderungsdaten, die die Statistik Austria führt. Drei Beispiele: Aus Rumänien wurden 2014 20.715 Zuwanderer registriert, aber auch 8005 Abwanderer dorthin. Aus Ungarn kamen 14.538, während sich 6740 wieder auf den Weg zurück machten. Bei den übrigen Ländern verhielt es sich ähnlich. Aus Tschechen wanderten 1834 Menschen zu – und mit 1162 fast zwei Drittel davon wieder retour.

Doch diese Daten sind möglicherweise verzerrt. Aussagekräftiger wären sie wohl, würde man sie nicht mit „1. Jänner bis 31. Dezember“ begrenzen, sondern etwa mit „15. April bis 15. Oktober“. Dann nämlich ist die Sommersaison zu Ende und die Wintersaison hat noch nicht begonnen.

Viele der Frauen und Männer aus Osteuropa kommen nur als Saisoniers nach Österreich.

Warum das in diesem Zusammenhang so wichtig ist? Weil viele der Frauen und Männer aus Osteuropa nur als Saisoniers nach Österreich kommen. Das hat das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO bereits nach dem ersten Jahr der sogenannten Ostöffnung in einer Studie festgestellt: „Im Zeitraum Mai 2011 bis April 2012 nahmen 75.510 Arbeitskräfte aus den acht neuen EU-Ländern erstmals eine Beschäftigung in Österreich an. Nur 38.273 von ihnen waren am 30. April 2012 noch auf dem österreichischen Arbeitsmarkt aktiv. Der Großteil der Zugewanderten arbeitete daher nur kurz in Österreich (z. B. als Saisonbeschäftigte).“

Der Bezirk Landeck, zu dem auch der Arlberg mit seinen Skigebieten gehört, verzeichnet derzeit mit 5,8 Prozent eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten. 

Außerdem heißt es in der Studie: „In Regionen, in denen der Wintertourismus eine große Rolle spielt, nahm die Zuwanderung aus den neuen EU-Ländern im Dezember deutlich zu. In diesen Regionen war auch der Anteil der im Tourismus beschäftigten Staatsangehörigen der acht neuen EU-Länder höher als in anderen Regionen. Ebenso war der Anteil der Frauen und der jüngeren Arbeitskräfte in diesen Regionen überdurchschnittlich.“

Dass diese Saisonarbeitskräfte Österreichern Jobs wegnehmen, ist zu bezweifeln – wenn man sich die Arbeitslosenstatistiken anschaut. Der Bezirk Landeck in Tirol, zu dem auch der Arlberg mit seinen Skigebieten und Tourismusbetrieben gehört, verzeichnet derzeit mit 5,8 Prozent eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten der Republik. Vergangenen Oktober dagegen, als sich in der Gegend kaum Gäste aber auch so gut wie keine Saisonarbeitskräfte aufhielten, war die Quote im Bezirk mit 19,1 Prozent eine der höchsten überhaupt.

Könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Your email address will not be published.