Spuren Faymann’scher Inseratenpolitik

BERICHT. In Anfragebeantwortungen wird erst deutlich, wie und wofür in Boulevardmeiden geworben wurde. Zum Beispiel für Windräder aus Hanf. 

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BERICHT. In Anfragebeantwortungen wird erst deutlich, wie und wofür in Boulevardmeiden geworben wurde. Zum Beispiel für Windräder aus Hanf.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) will sich in sehr vielem von seinem Amtsvorgänger Werner Faymann unterscheiden. Auch in der Inseratenpolitik, von der vorzugsweise Boulevardmedien profitierten. Beispiele dafür liefern Regierungsmitglieder in parlamentarischen Anfragen neuerdings in gehäufter Form.

Dass sich österreichische Sportler auf die Olympischen Sommerspiele vorbereiten, erachtet man im zuständigen Verteidigungsministerium aufgrund der Förderungen, die aus Steuermitteln dazu flossen, als so bemerkenswert, dass man es in eigenen Inseraten verkünden muss: „RIO 2012: Junge Talente am Start!“, war da ganzseitig am 16. März ausschließlich in „Heute“ zu lesen. Und eine Woche später folgte die ebenso große Mitteilung, dass es auch bei den Paralympics ein „starkes Team für Österreich“ geben werde. Die beiden Inserate kosteten laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Ressortchef Hans Peter Doskozil (SPÖ) jeweils 25.000 Euro.

Am 23. Februar ließ Klug via „Heute“ verkünden, dass an Windrädern aus Hanf gearbeitet werde.

Einzigartig waren sie jedoch nicht. Im Gegenteil, über Boulevardmeiden haben auch andere Regierungsmitglieder immer wieder ein exklusives Mitteilungsbedürfnis. Ein besonders originelles Beispiel lieferte der damalige Verekehrsminsiter Gerald Klug (SPÖ): Am 23. Februar ließ er via „Heute“ verkünden, dass an Windrädern aus Hanf gearbeitet werde. Kostenpunkt: 17.260,50 Euro. Sein Nachfolger Jörg Leichtfried (SPÖ) berichtet dazu in einer Amfragebeantwortung: „Die Breite dieses Portfolios wurde in einer explizit für die Zielgruppe des Mediums „heute“ konzipierten Mini-Anzeigenserie aufbereitet. Dabei wurden Themen herausgegriffen, die Relevanz für das Leben der Österreicherinnen und Österreicher haben, so z.B. die Forschungsförderung (am Beispiel der Windräder aus Hanf), die Aufgabe als oberste Seilbahnbehörde und damit die Verantwortung für die Sicherheit oder auch die Aufgaben des Patentamts als „Tochter“ des bmvit, das österreichischen Erfindergeist schützt.“

„Folge Deinem Herzen“ lautete der Titel eines Inserats, das Klug im März schalten ließ.

Dass sich junge Menschen für technische Berufe begeistern sollten, ist laut Klug ebenfalls etwas, was vor allem über Boulevardmeiden beworben werden sollte: „Folge Deinem Herzen“ lautete der Titel eines Inserats, das er im März schalten ließ. Leichtfried erklärt dazu: „2016 stehen wieder Praktikaplätze für SchülerInnen in Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Verfügung. Mit Inseraten – „Folge Deinem Herzen“ – soll die primäre Zielgruppe sowie ihr soziales Umfeld von der Aktion informiert und SchülerInnen angeregt werden, sich um diese Praktika zu bewerben. Daher wurden und werden diese Sujets in reichweitenstarken sowie zielgruppenrelevanten Medien geschaltet. Dasselbe Sujet wurde daher neben der Zeitung „Österreich“ auch in der Kronen Zeitung, Heute und Yeni Vatan Gazetesi-Neue Heimat Zeitung geschaltet. Die Kosten für das angefragte Inserat belaufen sich auf € 12.584,25 Brutto.“

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