Was Ö3 so begehrt macht

ZAHLEN ZUM TAG. Zweieinhalb Millionen Hörer sind auch für die Politik eine relevante Zielgruppe. Und das gefährdet die Unabhängigkeit des Senders wiederum ganz besonders. 

 
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ZAHLEN ZUM TAG. Zweieinhalb Millionen Hörer sind auch für die Politik eine relevante Zielgruppe. Und das gefährdet die Unabhängigkeit des Senders wiederum ganz besonders. 

Der ORF-Radiosender Ö3 macht von sich reden. „Im Frühstück bei mir“ war zuletzt Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) im sehr persönlichen Gespräch mit Moderatorin Claudia Stöckl zu hören. Kickl ist zwar nicht der erste Politiker, bei dem dies der Fall ist, der Zeitpunkt musste jedoch für Spekulationen sorgen: Ein Versuch, die Freiheitlichen im Hinblick auf die ORF-Reform wohlwollend zu stimmen? Wie auch immer: Kickl durfte nach dem Gespräch zufrieden sein. Zum Leidwesen der Sozialdemokratie konnte er nicht nur platzieren, dass Ex-Innenminister Karl Schlögl auf seiner Hochzeit gewesen war, sondern einfach auch zum Ausdruck bringen, dass er auch nur ein Mensch ist.

Die FPÖ will den ORF unter ihre Kontrolle bringen und zumindest bei Ö3 hat auch der Bundeskanzler ein Problem. Sebastian Kurz (ÖVP) sah sich vergangene Woche zu einer öffentlichen Rüge gezwungen. Der Sender berichtete nicht, er will; er hat den eigentümlichen Spin nicht übernommen, wonach die automatische Anpassung der Parteienförderung keine Erhöhung ebendieser ist. Klar: Zwar wird auf eine Anpassung für die vergangenen Jahre verzichtet, ab sofort soll es aber jedes Jahr dazu kommen. In kleineren Dosen ist das den Leuten eben besser zu verkaufen. Kurz will jedoch nicht einmal das zugeben – also bezeichnet er die korrekte Darstellung als „ultimative Form der Falschinformation“.

Dass Ö3 für die Politik so wichtig und damit im schlimmsten Fall auch gefährdet ist, ist erklärbar: Sehr viele Österreicherinnen und Österreicher hören den Sender. Laut Radiotest vom vergangenen Jahr sind es knapp zweieinhalb Millionen. Genauer: 2,475 Millionen bzw. 31,7 Prozent der ab 10-Jährigen, die bei der Erhebung berücksichtigt werden. Zum Vergleich: Die „Kronen Zeitung“ kommt laut Mediaanalyse 2017 auf lediglich 2,173 Millionen Leserinnen. Wobei in diesem Fall ab 14-Jährige berücksichtigt sind. Beim Teletext fürs Fernsehen werden ab 12-Hährige erfasst. Bei ihnen kommt ORF eins auf 2,052 und ORF 2 auf 2,833 Millionen Seherinnen und Seher. Ö3 ist also ganz vorne dabei.

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