Warum Frauen anders wählen

ANALYSE. Sehr viel würde dafür sprechen, dass Frauen eher Rechtspopulisten auf den Leim gehen. Sie tun es nicht: Weil die Angebote ihren Problemen zum Teil glatt widersprechen. 

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ANALYSE. Sehr viel würde dafür sprechen, dass Frauen eher Rechtspopulisten auf den Leim gehen. Sie tun es nicht: Weil die Angebote ihren Problemen zum Teil glatt widersprechen.

Schlechter gebildete Personen zieht es eher nach rechts? Sozial benachteiligte ebenfalls? Arbeitslose detto? Und Unzufriedene überhaupt? Solche Stehsätze mögen gängig sein, lassen sich jedoch meist auch widerlegen. Würde die Antwort immer „ja“ lauten, müssten Frauen zumindest ebenso sehr Rechtspopulisten wählen wie Männer; sie tun es jedoch nicht, im Gegenteil.

Beispiel 1: Bei der Nationalratswahl 2013 kamen die Freiheitlichen bei Frauen auf 16 Prozent. Bei Männern schafften sie dagegen mit 28 Prozent einen fast doppelt so hohen Stimmenanteil, so eine SORA-Analyse. Beispiel 2: Ebenfalls eine Untersuchung dieses Sozialforschungsinstituts ergab, dass sich der freiheitliche Kandidat Norbert Hofer bei der Bundespräsidenten-Stichwahl im Mai mit 40 Prozent begnügen musste; bei Männern kam er dagegen auf 60 Prozent.

Dieser „Gender-Gap“ ist kein österreichisches Phänomen. Ähnliches ist etwa auch in Deutschland und der Schweiz festzustellen, wie entsprechende Medienberichte aus den vergangenen Wochen zeigen. In dem einen Fall zieht es eher Männer zur AfD, im anderen zur eidgenössischen SVP.

Schaut man sich die Lebensverhältnisse an, mag das zunächst überraschen. Beispiel 1: Summa summarum verfügen Frauen in Österreich noch immer über niedrigere Bildungsabschlüsse. Während 15,5 Prozent der Männer nicht über die Pflichtschule hinausgekommen sind, beträgt der Anteil bei ihnen gar 22,7 Prozent. Beispiel 2: Frauen bekommen in vergleichbaren Funktionen nach wie vor weniger bezahlt als Männer. Beispiel 3: Befragt nach ihrer Lebensqualität im Allgemeinen schätzen Frauen diese laut einer Erhebung von Statistik Austria etwas schlechter ein als Männer. Beispiel 4: Frauen sind für die weiteren Entwicklungen der Gesellschaft etwas pessimistischer als Männer, wie der jüngste AK-OÖ-Arbeitsklima-Index zeigt.

„Radikale Rhetorik scheint Frauen eher abzuschrecken“ (Politikwissenschaftlerin Stefanie Haas)

All das zeigt, dass Frauen alle Gründe haben könnten, unzufriedener zu sein und somit Rechtspopulisten auf den Leim zu gehen. Warum aber tun sie das viel weniger als Männer: „Radikale Rhetorik scheint Frauen eher abzuschrecken“, meint die Freiburger Politikwissenschaftlerin Stefanie Haas auf rp-online. Das ist eine mögliche Erklärung. Eine andere, zu der der Schweizer Politologe Georg Lutz im dortigen „Bund“ hinführt: Frauen sind viel stärker mit Probleme wie „weniger Geld“ oder „mangelhafte Kinderbetreuungseinrichtungen“ konfrontiert. Und Lösungen dafür bieten eben eher mitte-links stehende Parteien und Kandidaten an.

Rechte Parteien und Kandidaten bringen kaum bis gar kein Verständnis für die Probleme auf, die die Frauen stärker beschäftigen.

Und weniger rechte, die kaum bis gar kein Verständnis für diese Probleme aufbringen. Im Gegenteil: Im Buch „Für ein Freies Österreich“, für das Norbert Hofer als Herausgeber verantwortlich zeichnet, wird gar einem Rollenbild das Wort geredet, das sich an „biologischen Gegebenheiten“ orientieren solle; nämlich dem „von keiner anderen Emotion übertragbaren Mutter-Kind-Bindung des mütterlichen Brutpflegetriebes einerseits sowie des Vaters als Versorger und Beschützer der Familie“ andererseits.

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