Sobotka hat ein Unsicherheitsproblem

ANALYSE. Von der Geschichte um einen potenziellen Terroranschlag in der Bundeshauptstadt bleibt immer weniger übrig. 

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ANALYSE. Von der Geschichte um einen potenziellen Terroranschlag in der Bundeshauptstadt bleibt immer weniger übrig.

„IS-Terror mitten in Wien – Cobra stoppt Attentäter“, titelte oe24.at, „Wien war Terrorziel: Attentäter in Wien verhaftet“, berichtete krone.at. Verantwortlich für die Wortwahl sind natürlich die beiden Medien. Irgendwo ist der Alarmismus aber hergekommen. Und zwar aus dem Innenministerium: Ressortchef Wolfgang Sobotka (ÖVP) gab dort am Freitagabend kurzfristig eine Pressekonferenz, um zu verkünden, dass ein „18-jähriger“ Tatverdächtiger festgenommen worden sei; und dass es damit gelungen sei, „einen potenziellen Terroranschlag“ in der Bundeshauptstadt zu verhindern; was wiederum ein weiterer Hinweis darauf sei, dass Österreich keine Insel der Seligen mehr ist. Wer, bitte, soll da nicht im höchsten Maße beunruhigt sein?

Wer mehrmals falschen Alarm auslöst, wird irgendwann nicht mehr ernst genommen.

Man sollte sich auf einen Innenminister verlassen können. Doch da beginnt das Problem mit Wolfgang Sobotka: Grundsätzlich ist es seine Aufgabe, das Schlimmste anzunehmen. Nach außen hin aber sollte er nicht mehr verkünden, als er verantworten kann, wenn nicht überhaupt weiß. Und gewusst hat er im vorliegenden Fall ganz offensichtlich nicht einmal das Alter des Tatverdächtigen. Zum Zeitpunkt der Festnahme war er 17. Das mag nur eine Kleinigkeit sein, ist aber bezeichnend: Wie sich nach und nach herausstellt und mittlerweile auch von Sobotka selbst bestätigt worden ist, hat sich der Bursche „noch im Planungsstadium“ befunden. Was sehr viel bedeuten kann und die Sicherheitskräfte in jedem Fall zum Einschreiten zwingt, insgesamt aber Sobotka in die Bredouille bringt; und zwar mehrfach:

Erstens, er hat in seiner Darstellung des Falles in der Öffentlichkeit zunächst unverantwortlich viel Phantasie zugelassen. Damit hat er Unsicherheit erzeugt (die aufgrund der erfolgten Festnahme des potenziellen Gefährders ganz und gar unnötig war).

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Und zweitens, er riskiert ein Glaubwürdigkeitsproblem: Wer mehrmals falschen Alarm auslöst, wird irgendwann nicht mehr ernst genommen. Und das kann dann wirklich dramatische Folgen haben.

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