ÖVP-Problem, das alle tangiert

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ANALYSE. Was die Hunderttausenden, die mit großen Hoffnungen zu Sebastian Kurz gewechselt sind, jetzt wohl machen werden? Rechtspopulisten haben beste Chancen.

Als Politiker hat Sebastian Kurz in den vergangenen Jahren nicht nur die Republik, sondern auch seine Partei geprägt. Und zwar so sehr, dass sie nun ein massives Problem hat: Sie steht vor enormen Verlusten, die rechtspopulistischen Bewegungen nützen könnten.

Die ÖVP-Wahlsiege unter Kurz beruhen vor allem darauf, dass er einerseits Rechtspopulisten Wählerinnen und Wähler abgenommen hat und andererseits NichtwählerInnen mobilisiert hat. Von den etwas mehr als eineinhalb Millionen Stimmen bei der Nationalratswahl 2017 kam beinahe ein Drittel von diesen beiden Gruppen. Ex-Sozialdemokraten, -Grüne oder -Neos fielen im Vergleich dazu kaum ins Gewicht.  2019 schaffte es Kurz in Folge der Ibiza-Affäre, den Freiheitlichen laut SORA-Analyse noch einmal 258.000 Stimmen abzunehmen.

Unterm Strich steht die neue Volkspartei von Sebastian Kurz von der Zusammensetzung ihrer Anhängerschaft her rechts der Mitte. Jetzt hat sie – rein für sich genommen – eine Wahl zwischen Pest und Cholera: Kurz lässt sich wohl eher nur mehr schlecht als recht kopieren. Schon allein aufgrund der jüngsten Skandale ist der Zuspruch zu ihm und der Partei eingebrochen. Versucht man sie zumindest teilweise wieder in seinem Sinne zurückzugewinnen? Am Ende des Tages würden sich Verluste allenfalls begrenzen lassen. Oder die ÖVP richtet sich neu aus, bemüht sich um eine andere Wählerschaft. Dann verliert sie Hunderttausende, die von rechtspopulistischen Bewegungen kommen, wohl jedenfalls.

So oder so entsteht zunächst ein gewisses Vakuum, bestehend aus sehr vielen Wählerinnen und Wählern, die zu haben sind. Wie erwähnt vor allem für Rechtspopulisten von der MFG bis zur FPÖ. Alles in allem sprechen die Voraussetzungen für Wählerwanderungen wie noch nie.

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