Grünen-Wähler: Entscheidend wie noch nie

-

ANALYSE. 2017 sind sie fremdgegangen. Umso wichtiger ist es besonders für die Pilz-Liste Jetzt sowie Neos und die SPÖ, sie zu halten.

Bei dieser Nationalratswahl gibt es zwei entscheidende Wählergruppen: Zum einen sind das Freiheitliche. Bleiben sie das trotz „Ibiza“? Oder wechseln sie, wie von dieser erhofft, zur neuen Volkspartei von Sebastian Kurz? Davon hängt ab, wie stark diese zulegen kann. Zum anderen entscheidend sind Grüne: 2017 sind sie der Partei buchstäblich davon gelaufen und haben damit dafür gesorgt, dass sie aus dem Hohen Haus geflogen sind. Eine Auswertung der SORA-Wählerstromanalyse bei der Nationalratswahl 2017 zeigt eindrucksvoll, wie wichtig sie für einige Parteien geworden sind.

Ganze 30 Prozent der Liste Pilz-Wähler waren ehemalige Grünen-Wähler. Bei den Neos bildeten sie einen Anteil von 21 Prozent und bei den Sozialdemokraten einen solchen von immerhin zwölf Prozent. Um sich besser vorstellen zu können, was das bedeutete, sei dies folgendermaßen auf den Punkt gebracht: Ohne Ex-Grüne wäre die Liste Pilz nie und nimmer in den Nationalrat gekommen. Für die Neos wäre es knapp geworden. Und die Sozialdemokraten wären nicht nur hinter die ÖVP, sondern auch hinter die Freiheitlichen zurückgefallen; auf Platz 3 also.

Schon von daher müssen drei Mittel-Links-Parteien um Grüne werben, wie noch nie. Umso mehr, als mit Klimaschutz und Korruption plötzlich Themen eine größere Rolle spielen, die diese schon in der Vergangenheit sehr stark besetzt hatten. Die Neos bemühen sich mit einem eigenen CO2-Steuerkonzept darum, die Sozialdemokraten mit einem allgemeineren Klimaschutzprogramm; Jetzt versucht sich mit Peter Pilz besonders als Kontrollpartei.

Das Ergebnis ist offen. Zumal die Grünen bei der EU-Wahl ein Comeback geschafft haben, werden sie sehr wahrscheinlich wieder Wähler zurückholen können. Zum Schaden von Jetzt, Neos und Pilz sozusagen. Andererseits haben aber die Grünen selbst bei ihren Kernthemen Mitbewerber bekommen, die ihren Höhenflug bremsen könnten.

dieSubstanz.at – als Newsletter, regelmäßig, gratis

* erforderliche Angabe


Könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Your email address will not be published.