Grüne: Von Rendi-Wagner abhängig

ANALYSE. Warum die Wahlerfolge in Bayern und demnächst wohl auch Hessen (noch) nicht auf Österreich übertragbar sind.

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ANALYSE. Warum die Wahlerfolge in Bayern und demnächst wohl auch Hessen (noch) nicht auf Österreich übertragbar sind.

Irgendwie sind die Wahlerfolge der Grünen in Bayern und demnächst wohl auch Hessen, wo sie ebenfalls auf Platz zwei kommen könnten, für ihre Geschwister in Österreich sowohl ermunternd als auch ernüchternd: Sie zeigen ihnen, was möglich wäre. Sie verdeutlichen ihnen aber auch, wie weit sie ein Jahr nach der Nationalratswahl 2017 noch immer davon entfernt sind.

So lange sie die Liste Pilz zur Mitbewerberin haben, werden ihnen immer ein paar Porzentpunkte fehlen.

Wesentliche Erklärungen dafür liegen bei ihnen selbst: So lange sie die angeschlagene Liste Pilz zur Mitbewerberin haben, werden ihnen immer ein paar Prozentpunkte fehlen, die sie zur Wiederauferstehung bitter nötig hätten. Ganz besonders bei der EU-Wahl im kommenden Frühjahr könnte das gefährlich werden: Schickt Pilz Johannes Voggenhuber ins Rennen, droht den Grünen eher ein weiterer Rückschlag.

Abgesehen davon ist es für eine Partei, die mit einem Thema (Umwelt) von unten, quasi als Graswurzelbewegung entstanden ist, extrem schwer, sich inhaltlich, aber auch personell neu aufzustellen; das bleibt letztlich immer ein Prozess, der von der entgegengesetzen Richtung, also von oben, gesteuert ist.

Kann Rendi-Wagner fortsetzen, was Kern gelungen st, schaut es für die Grünen ganz schlecht aus. 

Bleibt die Sozialdemokratie: In Deutschland mussten die Grünen diese nicht fürchten; im Gegenteil, in Bayern haben sie auch davon profitiert, dass es diese halbiert hat. In Österreich war’s vor einem halben Jahr ein Stück weit umgekehrt: Da haben die Grünen darunter gelitten, dass es der SPÖ mit Spitzenkandidat Christian Kern gelungen ist, sich nicht nur als entscheidende Gegenspielerin zu Schwarz-Blau zu positionieren, sondern auch, urbane Wähler anzusprechen – Leute also, die in Städten leben, oft über eine Uni-Abschluss verfügen und sehr wahrscheinlich auch schon grün, aber zuvor noch selten rot gewählt haben.

Die designierte SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner hat zumindest das Potenzial, das fortzusetzen. Schafft sie es, schaut es für die Grünen schlecht aus. Scheitert sie in dem Sinne, dass sie nicht einmal als ernstzunehmende Kanzlerkandidatin in die nächste Nationalratswahl ziehen kann, ändert sich das; dann gibt es zumindest für ehemalige Grünen-Anhänger einen entscheidenden Grund weniger, wie schon 2017 fremdzugehen und rot zu wählen.

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