Weniger Impfungen, weniger Testungen

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ANALYSE. Ausgerechnet in Westösterreich, wo man gemeinsamen mit dem Burgenland zu den größten Öffnungen geschritten ist, erscheinen die Rahmenbedingungen dafür schlecht.

„Die handelnden Politikerinnen und Politiker möchte ich eindringlich ersuchen, die Zeit, die dieser Lockdown uns allen hoffentlich verschafft, zu nützen. Wir brauchen zum Beispiel für die Zeit nach dem Lockdown ein wirklich funktionierendes Test- und Tracingsystem. Dieser Lockdown soll nicht nur dazu dienen, das Virus wieder unter Kontrolle zu bringen, sondern auch dazu, gemeinsam mit allen Bundesländern, Städten und Gemeinden die nötigen Schritte für die Zeit danach zu setzen“, sprach Bundespräsident Alexander Van der Bellen am 2. November 2020. In Teilen hätte er diese Rede auch in den vergangenen Wochen bzw. im vierten Lockdown halten können. Wobei: Man hätte wohl wieder nicht gut genug auf ihn gehört.

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) weiß, warum er einen fünften Lockdown nicht ausschließt. Mit einem solchen ist zu rechnen. Zu viel deutet darauf hin: Omikron werde schon bald die dominierende Virus-Variante sein, so der Molekularbiologe Andreas Bergthaler im Ö1-Morgenjournal vom 13. Dezember. Schon heute lassen Abwasserproben befürchten, dass sich die Entspannung es Infektionsgeschehens ihrem Ende zuneigt; die Werte tendieren dazu, sich auf sehr hohem Niveau zu stabilisieren (siehe Screenhot).

Heute gibt es im Unterschied zum vergangenen Herbst zwar eine Impfung, der Fortschritt bleibt jedoch extrem niedrig. Er beschränkt sich eher aufs „Boostern“. Das ist etwas, aber nicht genug. Erstimpfen lässt sich pro Tag nur gut ein Zehntelprozentpunkt der Bevölkerung. Die Durchimpfungsrate (= aktives Zertifikat) beträgt in allen Bundesländern mit Ausnahme des Burgenlands (74,1 Prozent) und Niederösterreichs (70,5 Prozent) weniger als 70 Prozent. Am niedrigsten ist sie in Vorarlberg (65,8), Kärnten (65,3), Salzburg (65) und Oberösterreich (64,2). In Tirol liegt sie bei 67,4 Prozent.

In Wien ist sie mit 67,6 Prozent nicht viel höher, es gibt jedoch zwei Unterschiede: In Wien gibt es weiterhin größere Beschränkungen und vor allem werden sehr viele PCR-Tests durchgeführt. In den vergangenen sieben Tagen waren es 70 pro 100 Einwohner. Im Burgenland handelte es sich immerhin um zehn. Das Land ist nun am weitesten gegangen bei den Lockerungen und hat auch die Gastronomie geöffnet. Vorarlberg und Tirol haben sich angeschlossen. Ohne 2-G-plus-Regelung, wie es etwa von Bergthaler empfohlen wird. Problem: PCR-Testungen werden im Westen kaum durchgeführt. In Tirol beträgt die Rate 6,6 pro 100 Einwohner und Woche, in Vorarlberg ist sie mit 3,6 überhaupt am niedrigsten im Bundesländervergleich.

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