Warum ein Jo-Jo-Effekt droht

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ZAHLEN ZUM TAG. PCR-Tests gibt’s weiter eher nur in Wien, bei Erstimpfungen geht kaum noch etwas weiter. Immerhin: Es wird geboostert – und wie.

Der Virologe Christoph Steininger bezweifelt im „Kurier“, dass der Lockdown am 12. November endet („Glaube ich ebenso wenig, wie an das Christkind“), WIFO-Chef Gabriel Felbermayr warnt im ZIB2-Interview vor einer „Jo-Jo“-Entwicklung: Dass also am 13. Dezember wieder alles aufgesperrt wird, am 26. Dezember aber wieder alles zugemacht werden muss. Wie im vergangenen Jahr.

Damals, zum Auftakt des zweiten Lockdowns, forderte Bundespräsident Alexander Van der Bellen in einer Rede, Maßnahmen zur Vermeidung eines weiteren zu setzen: „Dieser Lockdown soll nicht nur dazu dienen, das Virus wieder unter Kontrolle zu bringen, sondern auch dazu, gemeinsam mit allen Bundesländern, Städten und Gemeinden die nötigen Schritte für die Zeit danach zu setzen.“ Van der Bellen meinte damit unter anderem wirklich funktionierende Testsysteme.

Auch wenn in Österreich mittlerweile getestet wird wie in kaum einem anderen Land, fühlt man sich daran erinnert; zumal es sich überwiegend leider nur um Antigentestungen handelt: Felbermayr meint, die Politik müsse jetzt alles tun, damit es bei Öffnung von Geschäften und Lokalen eine bundesweite PCR-Testinfrastruktur gebe; damit durch eine große Kampagne beim Impfen etwas weitergehe und auch das Boostern Fahrt aufnehme.

Stand heute, 23. November, ist der Handlungsbedarf groß, will man alles tun, um einen „Jo-Jo“-Effekt und weitere Lokdowns zu verhindern. PCR-Tests werden nach wie vor eher nur in Wien durchgeführt. Das ist eine zugespitzte, aber nicht ganz falsche Formulierung: In den vergangenen sieben Tagen wurden in der Bundeshauptstadt (mit 1,85 Millionen) fast zwei Mal mehr Tests durchgeführt als in allen übrigen Bundesländern zusammen (1,01).

Pro 100 Einwohner handelte es sich in Wien um 96, wobei viele mehrere und nicht wenige gar keinen durchgeführt haben könnten. Zum Vergleich: In Salzburg waren es 25, in Oberösterreich 19 und in der Steiermark 18. Am anderen Ende: Vorarlberg mit vier Tests.

Eine Impfkampagne könnte nicht schaden. Und zwar eine vielschichtige, die vielleicht auch emotionale Elemente wie diesen französischen Spot enthält. Grund: Es gibt weiter immer weniger Erstimpfungen. Nach zwischendurch 0,22 Prozent im siebentägigen Mittel handelt es sich nur noch um 0,16 Prozent (Anteil gemessen an der Gesamtbevölkerung).

Es gibt aber auch eine Entwicklung, die hoffen lässt: Es wird geboostert. Mitte November hatten sich rund acht, neun Prozent der Menschen eine Auffrischungsimpfung verabreichen lassen. Am 23. November waren es bis zu 17,5 Prozent (in Niederösterreich). Relativ hoch ist der Anteil auch im bevölkerungsreichen Wien mit 16,3 Prozent. In der Steiermark handelt es sich um 12,1 Prozent.

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