Verhängnisvolle Verheißungen

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ANALYSE. Das Schlimme an diversen Politiker-Aussagen in dieser Pandemie sind die Sorglosigkeiten, die damit befeuert werden.

Die „Entschuldigung“, zu der sich nach Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) zuletzt auch Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) durchgerungen hat, war keine für eigenes Tun bzw. genau genommen gar keine: „Ja, ich möchte mich entschuldigen, und ich glaube, ich muss mich entschuldigen bei jenen Menschen, die alles richtig gemacht haben, die sich geimpft haben, die Maske tragen, die auf Distanz achten und die zur Auffrischung gegangen sind.“ Für sie sei der Lockdown eine Zumutung, sagte Schallenberg in der „ZiB2″.

Ein Leser, der es erfreulich genau nimmt, hat den Autor dieser Zeilen ermahnt, dass man sich nicht selbst entschuldigen kann. Um Entschuldigung bittet man – ob’s angenommen wird, entscheidet in diesem Fall der Souverän. Das gebietet der Respekt.

Immerhin geht auch mit der politisch gepflegten Form der Entschuldigung ein Eingeständnis einher. Wobei: Wofür eigentlich? Das bleibt offen. These: Zum Verhängnis sind unter anderem Sorglosigkeiten geworden, die durch Politiker-Aussagen befeuert worden sind. Und zwar bei weitem nicht nur durch die jenseitigen von FPÖ-Chef Herbert Kickl.

Man habe die „gesundheitlichen Folgen der Krise überstanden“, schrieb Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am 13. Juni 2020 auf „Facebook“. Später sprach er bekanntermaßen von einem „Licht am Ende des Tunnels“, seine Partei behauptete, die Pandemie gemeistert zu haben und er selbst ließ wiederum wissen, dass sie für Geimpfte vorbei sei.

Schaut man sich die Entwicklung des Infektionsgeschehens in einer logarithmischen Darstellung an, kann man sich über solche Aussagen nur wundern: Im besten Fall wurden sie gegen Ende einer Welle getätigt, im schlimmsten Fall, als eine neue längst da war. Noch-Nicht-Kanzler Alexander Schallenberg behauptete laut einer APA-Dokumentation Ende August: „Die Pandemie ist zu Ende.“ Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) freute sich zwischendurch auf „ein bisschen Sommer wie damals“. Siehe Grafik: Die gegenwärtige Welle hat Anfang Juli bereits ihren Anfang genommen.

Allein vor diesem Hintergrund sollte man sich nicht wundern, dass sich in den vergangenen Monaten kaum noch jemand impfen ließ. Und dass Geimpfte – auch weil entsprechende Warnungen kaum wahrgenommen wurden – nicht bedachten, dass sie ebenfalls ansteckend sein können bzw. der Impfschutz relativ schnell nachlässt.

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1 Comment
  1. G. Vie 2 Wochen ago

    Dem ist nicht viel hinzuzufügen, außer:
    Mainstream ist diese Sicht der Dinge noch nicht. Noch immer schwurbelt z.B. der „Standard“ von Impftrollen, die uns alle gefährden, aber nicht vom (grünen) Gesundheitsminister, der dasselbe tut.
    .
    Vor allem aber: wann endet endlich die wissentlich betriebene Hatz auf diejenigen die sich nie sicher fühlen konnten, sich schon aus Eigenschutz an Hygiene- und Abstandsregeln, an Kontaktminimierung gehalten haben ? Wann endet die Diskriminierung der Ungeimpften ?

    Rückblickend ist klar:
    Die Ungeimpften wurden und werden durch die erschreckenden und klar politisch geförderten Sorglosigkeiten der Geimpften mehr gefährdet, als umgekehrt.
    Irgendein Spin-doctor hat sie zum Sündenbock gemacht,
    niedrigste Instinkte wurden geweckt, die Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben.
    Alles nur um Politik-Versagen zu kaschieren. Alles, aber wirklich alles für den kurzfristigen Machterhalt.
    .
    Weil Sch***** nochmal, die FPÖ ist jetzt in der nächsten Regierung.

    Reply

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