Mit dem Schlimmsten ist zu rechnen

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ANALYSE. Hält der Trend an, liegen allein in Wien noch vor den Osterferien so viele Corona-Patienten im Spital wie noch nie.

Der Kanzler redet lieber von einem grünen Pass und immer wieder von einer Rückkehr zur Normalität bis zum Sommer. Der Gesundheitsminister ist mit dem Impfchaos ausgelastet. In Wien träumt man von einer baldigen Öffnung der Schanigärten. Ausgerechnet in Wien: Die Inzidenz bestätigter Neuinfektionen bewegt sich hier stetig auf 300 zu; auf Basis der Daten, die das Gesundheitsministerium jeden Tag veröffentlicht, ist sie am 17. März schon bei 276 angekommen. Klar, das allein muss noch nicht furchtbar viel heißen.

Alarmierend ist jedoch die Entwicklung der Hospitalisierungen: Laut einer dänischen Studie ist die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer Ansteckung mit der Mutation, die zunächst in Großbritannien festgestellt worden ist, eine stationäre Behandlung erforderlich wird, um 64 Prozent größer als bei der herkömmlichen.

Bei aller Vorsicht, die bei solchen Fragen nötig ist, kann man zumindest behaupten, dass Zahlen aus der Bundeshauptstadt in keinem Widerspruch dazu stehen: Mit 564 Männern und Frauen lagen am 17. März bereits ähnlich viele im Spital wie im Herbst, als die meisten Neuinfektionen ausgewiesen wurden; damals sind die Hospitalisierungen in weiterer Folge noch ein paar Tage lang auf bis zu 753 gestiegen.

Das ist ein Wert, der auch nun bald erreicht sein könnte: Hält der Trend der vergangenen sieben Tage an, ist das sogar noch vor der Karwoche der Fall. Starke Zunahmen gibt es auch auf den Intensivstationen; hier hat sich die Zahl in Wien seit Ende Februar auf 144 verdoppelt.

Der Komplexitätsforscher Peter Klimek spricht von einer „misslichen Lage“. Eine Lockdown wäre seiner Ansicht nach nötig. Der Politik mag jedoch nicht mehr. Das lässt eher Schlimmeres befürchten: Schon im Herbst wurde Österreich zum Verhängnis, dass sie zu lange weggeschaut und gezögert hat. Im Endeffekt hat das zu größeren Schäden geführt; und zwar in jeder Hinsicht, nicht nur gesundheitlich, sondern auch wirtschaftlich und sozial etwa.

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