Kurz hat eher gewonnen

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BERICHT. Vertrauenswert des Kanzlers ist viel niedriger als im April, aber deutlich höher als vor Corona. Und vor allem ist FPÖ-Chef Hofer weggebrochen.

Die Austria Presseagentur (APA) führt in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut OGM einen Vertrauensindex. Das ist der Saldo aus dem Anteil der Personen, die erklären, XY zu vertrauen und denen, die das nicht tun. Mit 46 hält Bundespräsident Alexander Van der Bellen gerade den mit Abstand höchsten Wert. Alle anderen Spitzenpolitiker müssen sich mit viel niedrigeren und zum Teil sogar negativen Werten begnügen; bei ihnen überwiegt gewissermaßen das Misstrauen, das ihnen entgegengebracht wird.

Im Jahresverlauf gab es größere Veränderungen, die eindeutig im Zusammenhang mit der Coronakrise stehen. Der eine oder andere Politiker kann sowohl als Verlierer als auch als Gewinner dargestellt werden. Beispiel Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP): Bei ihm hat sich der Indexwert nach Ausbruch der Pandemie und einem harten Lockdown im April auf ganze 51 vervielfacht. Heute hält er mit 27 nur noch einen halb so hohen Wert. Einerseits. Andererseits sind diese 27 noch immer um die Hälfte mehr als vor Corona im Jänner (19).

Bleiben wir beim Kanzler: Er hat die ÖVP bekanntlich so positioniert, dass es sehr viele Ex-FPÖ-Anhänger zu ihr gezogen hat. Die Gefahr, sie wieder an die Freiheitlich zu verlieren, scheint in den vergangenen Monaten noch geringer geworden zu sein: Im APA/OGM-Vertrauensindex ist FPÖ-Chef Norbert Hofer seit Jahresbeginn von minus 30 auf minus 47 abgestürzt. Das lässt darauf schließen, dass es nur noch sehr wenige Menschen gibt, die ihm vertrauen; die überwiegende Masse vertraut ihm nicht.

Vizekanzler und Grünen-Chef Werner Kogler nahm eine etwas andere Entwicklung als Kurz: In seinem Fall ist der Vertrauenswert mit 18 heute sogar etwas niedriger als im Jänner (19). Gesundheitsminister Rudolf Anschober hatte und hat dagegen sehr ähnliche Werte wie Kurz; er liegt mit 24 ebenfalls über dem Ausgangsniveau vom Jänner (17).

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hat zwar immer noch einen negativen Indexwert (minus fünf). Seit Jänner (minus 17) ist er jedoch kontinuierlich kleiner geworden. Neos-Obfrau Beate Meinl-Reisinger liegt – nach plus acht im Sommer – mit 13 wieder knapp unter ihrem Wert vom Jänner (14).

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1 Comment
  1. Michael m-e 11 Monaten ago

    Das Beklemmende an der in der Grafik sichtbaren Entwicklung und der sich daraus ergebenden Konstellation, ist, dass die Regierungsmitglieder trotz Corona-Debakel (in etwa) gerade einmal auf die Ausgangswerte vom Jänner zurückfallen.
    Im Umkehrschluss bedeutet das: was muss man in Ö anstellen, das so stark auffällt, dass ein signifikanter Vertrauensschwund bewirkt wird?
    .
    An der „Schichtung“ im Diagramm sieht man auch, dass die OppositionspolitikerInnen nicht genug „Strahlkraft“ aufbringen können, um das oben angesiedelte „Geflecht“ ausreichend zu durchdringen. Der weitere Verlauf dieser Linien lässt sich wohl schwer vorhersehen, am ehesten wird noch die (vorsichtige) Prognose zutreffen, dass sich dieser rückwärtsgewandte Blender-Kanzler länger im Sattel halten wird, als es der Republik zuträglich ist. Dafür werden sich dann jene bedanken , die anschliessend die Brösel wegräumen dürfen.

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