Hitler-Geburtshaus: Slow Motion

BERICHT. Laut Innenminister Kickl ist nach wie vor nicht geklärt, wie das Gebäude in Zukunft genützt wird.

-

BERICHT. Laut Innenminister Kickl ist nach wie vor nicht geklärt, wie das Gebäude in Zukunft genützt wird.

Bis 2011 war im Hitler-Geburtshaus in Braunau (OÖ) eine Behindertenwerkstatt untergebracht, seitdem steht das Gebäude leer. Und daran wird sich so schnell nichts ändern, wie einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) an Grünen-Bundesrat David Stögmüller zu entnehmen ist.

Es ist nicht so, dass in all den Jahren gar nichts passiert ist. Diskussionen über die Nutzung gibt es schon lange. 2016 sprach sich der damalige Innenminister und heutige Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) für einen Abriss aus. Zitat: „Für mich wäre ein Schleifen, so wie beim Fritzl-Haus in Amstetten, die sauberste Lösung.“

Zumindest das ist jedoch kein Thema mehr. 2016 beschloss der Nationalrat eine Enteignung, sodass das Geburtshaus ins Eigentum der Republik übergehen konnte. Seither passiert nicht viel. Ein Gericht hat gerade festgestellt, dass der ehemalige Eigentümern nicht 310.000 Euro Entschädigung zugestanden wären, sondern eineinhalb Millionen.

Dieser Prozess ist seit Juli 2017 in der „Vorbereitungsphase“.

Vorgesehen ist, das Gebäude, das nun dem Innenministerium zugeordnet ist, zu sanieren. Wie Kickl in seiner Anfragebeantwortung ausführt, befindet sich dieser Prozess „seit Juli 2017“ in der „Vorbereitungsphase“: „Mit der Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. wurde eine Planungsvereinbarung hinsichtlich einer tiefgreifenden architektonischen Umgestaltung des Objekts abgeschlossen, in deren Rahmen Vorarbeiten zur Durchführung eines allfälligen Architektenwettbewerbs getroffen wurden. Nach Konsultationen des Bundesdenkmalamtes wurde zudem die Erstellung eines bauhistorischen Gutachtens über das Gebäude in Auftrag gegeben, das noch nicht vorliegt.“

Konkrete Gestaltungspläne lägen noch nicht vor. Auch die weitere Nutzung sei offen. Kickl teilt lediglich mit: „An der vom Gesetz normierten und von der Kommission zum historisch korrekten Umgang mit dem Geburtshaus Adolf Hitlers empfohlenen Nutzung wird selbstverständlich festgehalten.“

Eine Option sei, dass das Gebäude wie in der Vergangenheit wieder von der Lebenshilfe genützt werde. Aus der Zivilgesellschaft sind laut Kickl mehrere Vorschläge gekommen: Sie reichen von „Abriss“ über „Einschläferung“ bis hin zur Einrichtung eines „Hauses der Verantwortung“. Ein solches von einer Initiative um Andreas Maislinger, dem Mitinitiator des österreichischen Gedenkdienstes propagiert.

>> dieSubstanz.at zur Politik bekommen Sie auch per Mail. Regelmäßig. Gratis >> Zum Newsletter

Könnte Sie auch interessieren

1 Comment
  1. Andreas Maislinger 4 Wochen ago

    „Friedensbezirk“ Braunau erinnert an „Friedensstaat“ DDR

    Auch in der DDR haben sich die Kommunisten als „Friedensstaat“ definiert. Darauf habe ich ohne Erfolg versucht, Georg Wojak anzusprechen. Aber wie in einer Einparteienherrschaft war bei ihm kein Meinungsaustausch erlaubt. Es musste alles so geschehen, wie von ihm angeordnet. Der Friedensbezirk wurde nicht in einer Versammlung der 46 BürgermeisterInnen gemeinsam beschlossen, sondern durch die Aufstellung der Tafeln an den Grenzen des politischen Bezirks Braunau am Inn von ihm als Bezirkshauptmann dekretiert.

    Immer wieder wurde seit 2008 über die von Georg Wojak initiierten Friedenssymbole berichtet und der Bezirkshauptmann hat auch immer wieder behauptet, dass dadurch das Hitler-Image beseitigt worden wäre. Leider ist jedoch geradezu das Gegenteil der Fall! Die Stigmatisierung der Stadt Braunau am Inn hat weltweit sogar noch zugenommen. Dafür kann ich auf Wunsch eine
    Reihe von Belegen liefern.

    Der von Georg Wojak ausgerufene Friedensbezirk Braunau kann weltweit gegen das Hitler-Image auch keine Wirkung erzielen, weil es nicht einmal eine englische Übersetzung dafür gibt. Von Französisch, Russisch, Spanisch und anderen Weltsprachen gar nicht zu reden. Die Wirkung seines von oben dekretierten Projektes war immer auf seinen Bezirk und einige Nachbargemeinden
    beschränkt.

    Seine Aussage „Der Hitler hat hier maximal seine Windeln gefüllt“ vom September 2012 hat jedoch seither auch überregional Aufsehen erregt und zum Negativimage der Stadt Braunau am Inn beigetragen. Der Bezirkshauptmann wurde wegen seines unüberlegten Sagers immer wieder als „unsensibel“ bezeichnet.

    Andreas Maislinger, Innsbruck

    Reply

Kommentar schreiben

Your email address will not be published.