Verstärkte Einsamkeit

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BERICHT. Lockdowns verstärken die Einsamkeit. Und zwar messbar: Vier von Zehn sind davon betroffen.

In der Pandemie ist vieles messbar: Bestätigte Infektionen, Spitalspatienten sowie Genesungen und Todesfälle. Oder die wirtschaftliche Entwicklung, von der Arbeitslosigkeit über die Lkw-Verkehrsleistung bis zur gesamten Wertschöpfung. Schwieriger wird’s bei sogenannten Kollateralschäden wie psychosozialen Folgen.

Auf ihrem Corona-Blog hat die Uni Wien nun Ergebnisse regelmäßiger Erhebungen veröffentlicht, die sie im Rahmen des „Austrian Corona Panels“ durchführt. Zunächst unterhaltsam wirkt eine Untersuchung sogenannter Wochentagsamnesie. Dabei ist herausgekommen, dass in Lockdown-Phasen der Anteil der Menschen, die manchmal vergessen, welcher Wochentag gerade ist, von gut einem Drittel auf etwas mehr als die Hälfte steigen kann.

Das könnte einen „durchaus ernstzunehmenden Kern haben“, wie die Autorinnen und Autoren festhalten: „Zum Beispiel wird schon in Beschreibungen aus der Studie der „Arbeitslosen von Marienthal“ festgehalten, dass der Verlust gefühlter Zeitstruktur auf Dauer oft mit Gefühlen der Passivität und Resignation einher geht. So muss die Wochentagsamnesie auch als ein Indikator für die psychische Gesundheit der Bevölkerung gesehen werden und als eines von vielzähligen Symptomen der gesamtgesellschaftlichen Belastungsprobe, die diese Pandemie darstellt und manche Bevölkerungsgruppen stärker trifft als andere.“

Jetzt liegt eine weiteren Untersuchung vor: Sie geht der gefühlten Einsamkeit nach. Ergebnis: Im harten Lockdown im Frühjahr gaben bis zu 40 Prozent an, zumindest an manchen Tagen einsam zu sein. Bis zum Sommer sank dieser Anteil auf 32 Prozent, um nun (wohl) in Folge neuerlicher Lockdowns wieder auf bis zu 39 Prozent zu steigen.

„Der Aspekt der Einsamkeit ist nur ein Teil der psychosozialen Folgen, welche diese Pandemie mit sich bringt“, analysiert Studienautor David Schiestl: „Daher müssen Zivilgesellschaft, die entsprechenden Behörden und NGOs zusammenarbeiten, um Betroffene zu unterstützen und die Auswirkungen dieser Krise abzufedern.“

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