CoV: Geschichte wiederholt sich

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BERICHT. Zwischen den Lockdowns liegen ziemlich genau so viele Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation wie vor einem Jahr.

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) hat im TV-Interview am Sonntagabend einen weiteren Lockdown nicht ausgeschlossen – und der Epidemiologie Gerald Gartlehner macht im „Presse“-Interview deutlich, dass er gut daran getan hat: „Jedenfalls wird Omikron durch die Bevölkerung durchbrausen und ein Teil der Infizierten wird schwer erkranken. Die feinen Detalis, über die wir jetzt reden, ob also Restaurants und Hotels eine Woche früher oder später öffnen, werden dann keine große Rolle spielen.“ Der Reproduktionsfaktor liege bei 3,2. „100 Infizierte stecken also im Schnitt 320 weitere Personen an.“ Titel des Interviews: „Omikron-Welle wird uns hart treffen.“

Bei geänderten Rahmenbedingungen erinnern die gegenwärtigen Verhältnisse an jene vor einem Jahr. Auch damals sah sich die Politik gezwungen, einen Lockdown fürs Weihnachtsgeschäft zu beenden, um bald einen weiteren auszurufen. Problem: Sie hat nicht von vornherein gesagt, womit zu rechnen ist. Entsprechend groß war die Enttäuschung in weiten Teilen der Gesellschaft, entsprechend groß der Glaubwürdigkeitsverlust der Regierung. Diesmal haben sich Entscheidungen eher nur von der Bundes- auf die Länderebene verlagert, womit nun auch Landeshauptleute riskieren, Schaden zu nehmen.

In den Spitälern sind die Entwicklungen ähnlich wie vor einem Jahr. Die Kurven verlaufen parallel – die, die Gesamtzahl der Patientinnen und Patienten darstellt, ist niedriger, die, die für die Intensivpatientinnen und -patienten steht, identisch. Am 13. Dezember 2020 handelte es sich um 577, am 13. Dezember 2021 um 573.

Der Spielraum ist nicht größer geworden. Das Spitalspersonal ist erschöpft, die Kapazitäten sind begrenzt geblieben. Umso wichtiger wären begleitende Maßnahmen. IHS-Gesundheitsexperte Thomas Cyzpionka weist darauf hin, dass Impfen auch bei Omikron schütze, selbst bei einer Auffrischung aber „deutlich weniger vor der Weitergabe des Virus“ als bei Delta. Deshalb wäre eine 2-G-Plus-Strategie empfehlenswert. Allein: In den Ländern ist das noch nicht überall angekommen. Zuletzt wurden zwischen 70 PCR-Tests pro Woche und 100 Einwohner in Wien und 3,6 in Vorarlberg durchgeführt (vgl. Bericht dazu).

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2 Kommentare
  1. Christine Weixelbaumer 12 Monaten ago

    Bei diesem Vergleich mit den Intensivbetten vergeßen anscheinend alle, daß wir voriges Jahr erst am 27.12. eine Impfung hatten. Und diese Impfung sollte vor der Intensivstation bewahren! Nun haben wir mit Impfung dasselbe Ergebnis, stimmt das nicht nachdenklich?

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    • Johannes Huber 12 Monaten ago

      Vor einem Jahr gab es wesentlich weniger Infizierte – der Anteil schwerer Erkrankungsverläufe war größer.

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