Ausdruck eines Polit-Versagens

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ANALYSE. Noch immer könnten sehr viele Menschen für eine Corona-Impfung gewonnen werden. Und zwar ohne Verpflichtung. Das verdeutlicht eine neue Studie.

Vielleicht ist es müßig, weil zu spät, um darauf hinzuweisen: Vor bald einem Jahr hat der Verhaltensökonom Florian Spitzer (IHS) hier davor gewarnt, dass es ohne entsprechende Kampagne darauf hinauslaufen könnte, dass es zwar genügend Impfstoff, aber zu wenig Impfbereite gibt. Gerade in Österreich, wo Ablehnung oder zumindest Skepsis sehr groß seien.

Spitzer und seinesgleichen sind nie eingebunden worden, im Unterschied zu Deutschland oder selbst dem kleinen Liechtenstein gab es von staatlicher Seite her keine großen Untersuchungen – und denn auch keine wirkungsvolle Impfkampagne. Was an Kampagne existierte, wurde über den Sommer überhaupt vernachlässigt. Das Ergebnis ist, dass mit rund 70 Prozent im internationalen Vergleich recht wenige Menschen zumindest einmal geimpft sind.

ÖVP und Grüne sehen sich nun gezwungen, eine Impfpflicht per 1. Februar einzuführen. Unabhängig davon, dass damit letzten Endes wohl an die 100 Prozent erreicht werden könnten, zeigt sich mehr und mehr, wie viel Potenzial auch ohne Pflicht ausgeschöpft werden könnte.

In einer Befragung, die Verhaltensökonom Spitzer seiner Warnung anfügte, gaben 2020 gerade einmal 50 Prozent an, dass sie sich sicher oder wahrscheinlich impfen lassen werden. Mittlerweile haben es etwas mehr als 70 Prozent getan. Und es werden jedenfalls mehr werden. Wie hier erwähnt, könnten Impfangebote für 600.000 Kinder (5- bis 11-Jährige) ein paar Prozentpunkte bringen.

Auch die persönliche Einladung an Ungeimpfte, die Länder und Gemeinden erst jetzt, zum Höhepunkt der vierten Welle verschicken, wird dazu führen, dass der eine oder andere Prozentpunkt dazu kommt. Zumal die Uni Wien im Rahmen ihres „Austrian Corona Panels“ Bemerkenswertes festgestellt hat.

Es zeigt, dass gut die Hälfte der noch Ungeimpften nicht grundsätzlich gegen eine Impfung sind. Auf die Frage, ob sie auf die Zulassung eines anderen Impfstoffes, eines sogenannten Totimpfstoffes, warten würden, erklärten 17 Prozent „voll und ganz“, weitere 17 „eher“ und 16 Prozent „teils-teils“. (Umgekehrt gaben 36 Prozent an, das gar nicht und sieben Prozent, es eher nicht zu tun; von acht Prozent gab es keine Festlegung oder keine Antwort).

Botschaft: Auch wenn nicht absehbar ist, wann entsprechende Impfstoffe bereitstehen und es daher keine sinnvolle Lösung sein mag, darauf zu warten, zeigt das, dass die Durchimpfungsrate mit einigem Wollen deutlich über 80 Prozent gebracht werden könnte.

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