Ratingagentur: Flüchtlinge eher Segen als Belastung

BERICHT. Standard & Poor’s: Auch Österreichs Budget wird nicht aus dem Ruder laufen. Auf Dauer sind sogar positive Effekte möglich.

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BERICHT. Standard & Poor’s: Auch Österreichs Budget wird nicht aus dem Ruder laufen. Auf Dauer sind sogar positive Effekte möglich.

Jetzt ist eine Zahl draußen: 12,3 Milliarden Euro werde die Bewältigung der Flüchtlingswelle in den nächsten vier Jahren alles in allem kosten, zitiert das Ö1-Morgenjournal aus einem Geheimpapier der Bundesregierung. Finanzminister Hans-Jörg Schelling (ÖVP) weist dies zurück. Schützenhilfe erhält er von der Ratingagentur Standard & Poor’s: Sie hat erst festgestellt, dass „keine signifikanten Auswirkungen“ auf das Budget zu erwarten seien. Wie dies überhaupt für alle EU-Länder gelte. Und: Längerfristig seien sogar positive Effekte möglich.

„Wir erwarten nicht, dass die Flüchtlingskrise signifikante Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte in Österreich oder anderswo in der Eurozone haben wird“, schreibt Standard & Poor’s in der Analyse, die am vergangenen Freitag veröffentlicht worden ist.“ Nachsatz: „Wir erwarten deshalb, dass Österreich sein Defizit bis 2018 auf ein Prozent des BIP reduzieren wird.“

Die Ratingagentur hat sich die Problemstellung genauer angesehen – und eine umfassende Analyse durchgeführt. Titel: „Ist die Flüchtlingskrise ein Segen oder eine Belastung für die nationalen Ratings?“ Ergebnis: Keine Panik. Selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintrete, dass alle zehn Millionen syrischen Flüchtlinge nach Europa kommen, werde die Einwohnerzahl der EU-28 um gerade einmal zwei Prozent steigen. Realistischerweise würden sich aber viel weniger Leute auf den Weg machen.

Auf der anderen Seite würden die Flüchtlinge nicht einmal dazu ausreichen, die demographischen Probleme Europas zu lösen: Allein in Deutschland werde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 67) bis 2060 um ein Drittel auf 36 Millionen sinken – und zwar bereits unter der Annahme, dass es jedes Jahr um 100.000 mehr Zu- als Abwanderer gebe.

Zusammengefasst muss laut Standard & Poor’s aber das Arbeitskräftepotenzial gesehen werden, dass mit den Flüchtlingen auch verbunden ist. Über längere Zeit könnte das jedenfalls mit einem „milden positiven Effekt“ für die wirtschaftliche Entwicklung verbunden sein: „Die Neulinge könnten die drohenden wirtschaftlichen und fiskalischen Herausforderungen lindern.“

> Zur Website con Standard & Poor’s

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