Niedrigzinspolitik kostet Sparer Milliarden

ANALYSE. Selbst die Steuerreform kann den Ertragsverlust nur vorübergehend wettmachen. Wenn überhaupt.

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ANALYSE. Selbst die Steuerreform kann den Ertragsverlust nur vorübergehend wettmachen. Wenn überhaupt.

Die Kosten der Schuldenkrise werden wohl nur selten als solche wahrgenommen. Ein Bespiel dafür ist das extrem niedrige Zinsniveau. Während Staaten davon profitieren, weil sie sich billiger Geld ausleihen können, setzt es privaten Haushalten, die eher sparen, zu. Eine Annäherung macht deutlich, dass es allein in Österreich um Milliardenbeträge geht. Wobei die Steuerreform die Verluste nur vorübergehend wettmachen kann.

Laut Nationalbank verfügen die österreichischen Privathaushalte über ein Geldvermögen von immerhin 591,77 Milliarden Euro. Davon entfallen 122,52 Milliarden Euro auf längerfristige Einlagen und 97,20 Milliarden Euro auf kurzfristige Veranlagungen, also täglich verfügbare Sparguthaben. Setzt man für diese beiden Posten die noch verhältnismäßig hohen Zinssätze des Jahres 2005 an, dann kommt ein Ertrag von knapp fünf Milliarden Euro zusammen. Fügt man stattdessen jedoch die derzeit gültigen Zinssätze ein, dann folgt die große Ernüchterung; das Niveau ist so niedrig, dass der Ertrag nicht einmal mehr eineinhalb Milliarden Euro beträgt. Über dreieinhalb Milliarden Euro weniger also – über dreieinhalb Milliarden Euro, die Herr und Frau Österreicher nicht verbucht werden.

Besser stehen private Schuldner da. In Summe sind die Verbindlichkeiten mit 171,66 Milliarden Euro aber viel kleiner als die Geldvermögen. Außerdem sind die Kreditzinsen zwar ebenfalls, aber nicht ganz so stark gesunken wie die Sparzinsen. Alles in allem haben sich die Kreditkosten um rund dreieinhalb Milliarden Euro auf etwa vier Milliarden Euro reduziert (unter der Annahme, dass es sich durchwegs um Wohnkredite handelt).

Nicht berücksichtigt sind in dieser Beispielrechnung andere Veranlagungsformen, wie Wertpapiere und Lebensversicherungen. In ihrem Fall sind die Folgen der Niedrigzinspolitik nicht direkt darstellbar.

Als Antwort auf die Krisenjahre sollen die Österreicher nun entlastet werden. Um 5,2 Milliarden Euro sollen die Steuern im kommenden Jahr gesenkt werden. Aufgrund der Gegenfinanzierung, also der Erhöhung anderer Steuern sowie die Betrugsbekämpfung, werden netto allerdings nur 2,6 Milliarden Euro übrig bleiben, wie das Finanzministerium bei den entsprechenden Gesetzesvorlagen angemerkt hat. Außerdem wird die Entlastung aufgrund der Kalten Progression mit der Zeit wieder nachlassen, sodass sie allmählich ganz verpufft.

> Zur aktuellen Statistik der Nationalbank mit Daten zu Vermögen, Verbindlichkeiten und Zinsen

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