Warum wir Hunderttausende Zuwanderer nicht nur brauchen könnten, …

ANALYSE. … sondern uns darum bemühen sollten. Daimler-Vorstand Zetsche lieferte eine Begründung – es gibt jedoch mehrere.

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ANALYSE. … sondern uns darum bemühen sollten. Daimler-Vorstand Zetsche lieferte eine Begründung – es gibt jedoch mehrere.

Hunderttausende fliehen nach Europa. Zu selten wird das dort als Chance gesehen. Für Deutschland hat Daimler-AG-Chef Dieter Zetsche davon nun gesprochen, dass es sich um eine Grundlage für das nächste Wirtschaftswunder handeln könnte. Für Österreich gilt dasselbe. Doch es gibt noch einen anderen Aspekt: Allein schon aufgrund der demographischen Entwicklung wären noch viel mehr Zuwanderer notwendig.

Der Versuch, die Zuwanderung zu steuern, kann als gescheitert angesehen werden. Gerade einmal 1081 Rot-Weiß-Rot-Karten sind im vergangenen Jahr erstmals ausgestellt worden. Die Karte ist ursprünglich mit dem Ziel eingeführt worden, acht Mal so viele qualifizierte Männer und Frauen nach Österreich zu bringen. Zustande gekommen ist nur ein Bruchteil davon. Für Top-Leute gibt es ganz offensichtlich attraktivere Länder auf der Welt.

Jetzt strömen Flüchtlinge nach Europa. Sie brauchen zunächst humanitäre Hilfe, ein Dach über dem Kopf, Ausbildungsplätze und Jobs. Das ist eine „Herkulesaufgabe“, wie Zetsche am Montagabend im Vorfeld der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt für Deutschland bestätigte: „Aber im besten Fall kann es auch eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder werden – so wie die Millionen von Gastarbeitern in den 50er und 60er Jahren ganz wesentlich zum Aufschwung der Bundesrepublik beigetragen haben.“

Zetsche ist nicht blauäugig. Natürlich sei nicht jeder Syrer, Afghane oder Iraker ein „brillanter Ingenieur, Mechaniker oder Unternehmer“. Wer aber sein komplettes Leben zurücklasse, sei hoch motiviert: „Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land.“

Auch Österreich sollte dieses Potenzial erkennen. Wobei man ja nicht gleich von einem Wirtschaftswunder träumen muss. Zumal es zunächst einmal darum geht, die bestehenden Standards zu erhalten. Schon allein das macht Zuwanderung notwendig, wie die Bevölkerungsprognosen von Statistik Austria verdeutlichen:

  • Um das Jahr 2020 wird die Zahl der 20- bis 64-Jährigen mit 5,4 Millionen Euro ihren Höchststand erreichen. Danach wird sie bis 2050 um rund 300.000 sinken.
  • Ebenfalls um 2020 wird es jeweils rund 1,7 Millionen unter 20- und ab 65-Jährige geben. Dann werden sich die Zahlen auseinanderentwickeln. 2050 wird die der Älteren um etwa 900.000 über der der Jüngeren liegen.

Alles in allem werden die derzeitigen Verhältnisse also nur dann erhalten werden können, wenn Hunderttausende nach Österreich zuwandern. Wesentlich ist dabei natürlich das Alter. Und Flüchtlinge sind in der Regel unter 30. Entscheidend sind außerdem die Bereitschaft, sich ausbilden zu lassen und zu arbeiten auf der einen Seite und entsprechende Angebote auf der anderen Seite. Zumindest ersteres ist, wie Zetsche erwähnte („Hochmotiviert“) gewährleistet. An letzterem hat Österreich noch zu tun – das ist die Haus- oder „Herkulesaufgabe“.

> Zum FAZ-Artikel „Flüchtlinge könnten Wirtschaftswunder bringen“

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