Die Christianisierung Österreichs: Woher die meisten Zuwanderer kommen

ANALYSE. Ein Blick in die Statistik genügt, um festzustellen, wie absurd das Islamisierungsgerede ist.

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ANALYSE. Ein Blick in die Statistik genügt, um festzustellen, wie absurd das Islamisierungsgerede ist.

Die politische Debatte verzerrt die Wahrnehmung. Wenn andauernd nur von der Steuerreform die Rede ist, kann der Eindruck entstehen, das sei die einzige Herausforderung. Was es natürlich nicht ist. Eine Liste mit ähnlichen Beispielen ließe sich fortsetzen. Einer der Bereiche, in dem das Gefühl am weitesten von der Realität abweicht, ist die Migration. Weshalb es möglicherweise auch so einfach ist, Ängste zu schüren, wie es zumindest vorübergehend der Gruppe „Patriotischer Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA) gelungen ist.

Dieser Spuck ist erfreulicherweise vorbei. Doch es steht zu befürchten, dass er in anderer Form wieder kommt. Spätestens bei einem der nächsten Wahlkämpfe. Deshalb ist es gut, einmal einen Blick auf die Zahlen zu werfen. Auch wenn Fundamentalisten dafür nur schwer empfänglich sein werden. Aber vielleicht gelingt es ja doch in ihrer Sprache. Demnach müsste man darauf hinweisen, dass eine Christianisierung Österreichs im Gang ist. Wie immer man dazu stehen mag – es ist so.

Der Wanderungssaldo zeigt es. Man kann es drehen und wenden wie man will: Zwei Drittel der insgesamt 54.728 mehr-Zu–als-Abwanderer entfielen 2013 auf EU- und EWR-Länder sowie die Schweiz, also das, was in einschlägigen Kreisen als das christliche Abendland bezeichnet wird.

Die ersten sieben Länder, mit denen es die größte Zu-minus-Abwanderung-dorthin gibt, sind alles andere als muslimisch; einige davon sind sogar wesentlich katholischer als Österreich: Polen, Kroatien und Italien beispielsweise. Platz eins auf der Liste belegt Ungarn mit einem Wanderungssaldo von 8326. Das erste Land, das nicht mehrheitlich katholisch ist, ist das in konfessioneller Hinsicht vielfältige Bosnien und Herzegowina (Platz acht/2444). Erst auf den Plätzen neun und zehn folgen mit dem Iran (Wanderungssaldo: 1814) und Afghanistan (1709) muslimische Länder. Doch es gibt sogar ein muslimisches Land, in das es laut Statistik Austria mehr Menschen zurückzieht: Pakistan (Wanderungssaldo: – 203).

Österreich ist zum Glück ein aufgeklärtes Land, in dem das Religionsbekenntnis oder –nichtbekenntnis der persönlichen Entscheidung jedes Einzelnen überlassen ist. Ein bemerkenswerter Aspekt sei dennoch hinzugefügt: Ohne die Zuwanderung so vieler Christen würde der Schrumpfungsprozess der Kirchen noch schneller ablaufen; so wird er gebremst. Was die dortigen Würdenträger freuen und PEGIDA-Anhänger zumindest beruhigen kann.

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