In der Stichwahl weniger Stimmen

-

ZAHLEN ZUM TAG. … nicht nur als der Gegenkandidat, sondern auch als selbst in der ersten Runde: Wie die ÖVP das Bürgermeister-Amt in der größten Stadt Vorarlbergs verloren hat und wofür das steht.

„Authentisch, fleißig, bärig“, sei der neue Dornbirner Bürgermeister, schreiben die „Vorarlberger Nachrichten“. Christoph Waibel wird darin mit den Worten zitiert, dass es sich um einen „feinen Kerl“ handle, mit dem er gerne eine Zigarette rauche. Dazu muss man wissen: Waibel ist freiheitlicher Stadtparteiobmann und der neue Bürgermeister ist der Sozialdemokrat Markus Fäßler.

Vor zehn, 20 Jahren noch wäre das alles unvorstellbar gewesen, war die Stadt tiefschwarz. Gegen den geselligen Markus Fäßler mit Gespür für gefragte Themen (Wohnen, Wohnen, Wohnen) hatte ÖVP-Kandidat Julian Fässler nun jedoch keine Chance. Wobei: Im ersten Wahlgang war der Schwarze mit 6954 Stimmen noch klar vorne gelegen. In der Stichwahl erreichte dieser mit 6916 jedoch weniger – nicht nur als Markus Fäßler, der Rote, sondern eben auch als er selbst in der ersten Runde.

Das kommt selten vor. Auch wenn man berücksichtigt, dass die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl niedriger war und keine Wählerstromanalyse vorliegt, kann man davon ausgehen, dass die meisten Anhänger von Freiheitlichen, Grünen, Neos und Kommunisten letzten Endes Markus Fäßler ihre Stimme gegeben haben.

Das ist ein weiteres, alarmierende Signal für die Vorarlberger ÖVP: Bei der Landtagswahl war sie froh, nicht mehr als fünf Prozentpunkte auf rund 38 Prozent verloren zu haben. Gerettet hat sie wohl, dass dieser Urnengang mehr als „Landeshauptmann-Wahl“ galt und Amtsinhaber Markus Wallner ohne große Konkurrenz war.

Die Bürgermeister-Wahl in Dornbirn steht für ein Phänomen, das schon bei der Nationalratswahl feststellbar war: Es müssen nur eigene Schwächen und ernstzunehmende Konkurrenten zusammenkommen, dann ist alles möglich. Und zwar wirklich alles: In Watzenegg etwa, keiner Mittelschicht-, sondern eher einer Oberschichtparzelle der Stadt, verdrängten die Freiheitlichen von Herbert Kickl die Volkspartei damals von Platz eins.

Jetzt gelang es dem Sozialdemokraten Fäßler, sich gegen einen Vertreter der Volkspartei durchzusetzen. Mit Humor: Befragt nach den Unterschieden zwischen ihnen beiden, meinte Julian Fässler (ÖVP), Markus Fäßler sei in der Gewerkschaft geprägt worden und er stärker in der Privatwirtschaft. Antwort des stämmigen Sozialdemokraten: „Der größte Unterschied liegt bei 25 bis 30 Kilo.“

dieSubstanz.at ist ausschließlich mit Ihrer Unterstützung möglich. Unterstützen Sie dieSubstanz.at gerade jetzt >

dieSubstanz.at – als Newsletter, regelmäßig, gratis

* erforderliche Angabe


Könnte Sie auch interessieren

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner