Pflege-daheim-Bonus: Herdprämie II

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ANALYSE. „Pflege daheim“ ist oft gut und fast immer billiger. Andererseits: Frauen wird man so eher vom Arbeitsmarkt fernhalten – womit die finanziellen Nachteile für sie am Ende noch größer werden.

Auch im türkis-grünen Regierungsprogramm gibt es Minimalkompromisse. Bei der Pflegefinanzierung beispielsweise: Sie soll über eine eigene Versicherung und auch weiterhin über Steuern funktionieren. Das ist ein bisschen türkis und ein bisschen grün. Werner Kogler und Co. haben in ihrem Wahlprogramm eine Pflegeversicherung etwa ausdrücklich abgelehnt. Zitat: „Die Einführung einer Pflegeversicherung lehnen wir ab, da die Beitragsgrundlagen einer derartigen Versicherung – die Löhne – gemessen am BIP zurückgehen, während der Mittelbedarf in den nächsten Jahrzehnten stark steigen wird. Es ist daher nicht sinnvoll, die Finanzierung an die Löhne zu koppeln.“

Damit der öffentliche Finanzierungsbedarf nicht allzu stark steigt, soll „Pflege daheim“ gefördert werden. Und war durch einen eigenen Bonus (die ÖVP hat im Wahlkampf von 1500 Euro gesprochen). Das ist zunächst sehr wahrscheinlich auch im Sinne vieler Betroffener: Wer will schon in ein Heim? Also!

Andererseits: Gesellschafts- und sozialpolitisch ist ein solcher Bonus nicht unproblematisch. Erstens: Laut einer Studie, die im vergangenen Jahr im Auftrag des Sozialministeriums erstellt wurde, sind drei Viertel der pflegenden Angehörigen weiblich. Zweitens: Gut die Hälfte ist unter 60, also im erwerbsfähigen Alter.

Diese Frauen zu fördern, damit sie zu Hause bleiben, bewirkt folgendes: Ihre Nachteile auf dem Arbeitsmarkt werden zunehmen. In der Praxis werden eher weniger erwerbstätig sein und in Summe werden sie auch geringere Pensionsansprüche erwerben. Womit die ohnehin schon weibliche Altersarmut grüßen lässt.

Der „Pflege-daheim-Bonus“ ist eine zweite Herdprämie. Die erste ist jene, die unter anderem durch unzureichende Kinderbetreuungseinrichtungen sowie monetäre Leistungen zustande kommt, die dazu beitragen, dass junge Mütter zu Hause bleiben. Wo sie durch den „Pflege-daheim-Bonus“  nun eben beinahe dauerhaft bleiben könnten.

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