Nützliche Idioten des Boulevards

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ANALYSE. Sozialdemokraten, die „Babler muss weg“ rufen, ohne zu wissen, wie die Partei noch erfolgreich sein könnte.

Der Boulevard ist nicht an einer starken Sozialdemokratie interessiert. Im Gegenteil, indem er Schwarz-Rot-Pink einfach nur niederschreibt, macht er Herbert Kickl größer. Das nimmt er in Kauf. Vor allem wichtig ist ihm, dass Andreas Babler als Parteivorsitzender wegkommt. Wegen der Inseratenkorruption, die nicht mehr so läuft wie früher und wegen seiner Pläne, die Medienförderung so zu reformieren, dass weniger denn je die gedruckte Auflage und mehr denn je Journalismus zählt.

Das vergessen Babler-Genossen wie der niederösterreichische SPÖ-Geschäftsführer Wolfgang Zwander, die die x-te Runde einer Babler-muss-weg-Kampagne befeuern. Zwander hat nach dem Absturz der Partei und des dortigen Bürgermeisters bei Gemeinderatswahl in St. Pölten gesagt: „Wenn sich selbst ein hocherfolgreicher (sic!) Bürgermeister dem derzeit eisigen Gegenwind aus der Bundespolitik nicht mehr entziehen kann, dann muss das dort zu denken geben.“

Zwander zählt damit zu denen, die als nützliche Idioten des Boulevards bezeichnet werden können. Es sind so viele vom Boden- bis zum Neusiedlersee, dass es unfair wäre, weitere Einzelne zu nennen (außer in weiterer Folge dem einen bekannten).

Der Punkt ist: Mit Ausnahme von Hans Peter Doskozil hat keiner von ihnen einen Wahlerfolg vorzuweisen. Und selbst bei Doskozil ist das relativ: Das Burgenland ist ein ziemlich homogener, ländlicher Raum. Hier ist es politisch noch relativ einfach, ist man mit keinen Stadt-Land-Gegensätzen konfrontiert, wie etwa in Österreich insgesamt.

Bablers Schwäche ist, dass die SPÖ auf dem Land auch unter seiner Führung verloren ist gegen Rechte (gestern Türkise, heute Blaue) und dass sie in den Städten nicht groß abräumt. Dass sie bei den Akademikerinnen und Akademikern bei der Nationalratswahl 2024 zum Beispiel nur auf 18 Prozent gekommen ist; kaum mehr als die FPÖ (15), wie Befragungsergebnissen des „Foresight“-Instituts zu entnehmen ist.

Das Beschämende für die bekennenden Babler-Gegner in der SPÖ ist, dass sie sich zu nützlichen Idioten des Boulevards machen, gerade weil sie auch keine Vorstellung für eine Sozialdemokratie im Jahr 2026 haben.

Dass ihnen allenfalls einfällt, dass man eine härtere Asylpolitik machen sollte. Und mehr gegen die Teuerung: „Runter mit den Preisen!“ These: Dadurch kann die SPÖ vielleicht weitere Verluste an die FPÖ verhindern, wird aber nichts gewinnen. Das sind keine Angebote, die zum Beispiel eben Akademikerinnen und Akademikern zu Roten machen. Oder junge Selbstständige, um die sich noch Christian Kern als Parteichef wenigstens noch bemüht hat.

Im Übrigen beschämend für die lärmenden Babler-Gegner ist, was sie alles ausblenden: Heute Regieren heißt das Budget sanieren, eine Rezession überwinden und die Inflation bekämpfen bzw. Probleme lösen, die man selbst nicht verursacht, sondern angetroffen hat. Heute Regieren bedeutet, nach Kurz-Jahren mit einem massiven Vertrauensverlust in die Politik konfrontiert zu sein, der unter anderem mit Lügen („Patientenmilliarde“) und Affären zu tun hat. Heute Regieren heißt außerdem, in einer Welt zurechtzukommen, in der Unsicherheiten herrschen, die vor wenigen Jahren noch unvorstellbar waren.

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