Inseratenwillkür

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ZAHLEN ZUM TAG DER PRESSEFREIHEIT. Nach welchen Kriterien öffentliche Inserate vergeben werden, bleibt ungewiss. Das ist insofern problematisch, als hier immer wieder der Verdacht mitschwingt, es gehe um gefällige Berichterstattung.

Im „Pressefreiheitsindex“ der Reporter ohne Grenzen ist Österreich abgestürzt – und zwar vom 17. auf den 31. Platz und damit hinter die meisten übrigen EU-Mitgliedsländer sowie etwa Namibia (18.), Argentinien (29.), Osttimor (17.) und Trinidad & Tobago (25.). Die Gründe sind vielschichtig, sie reichen von Angriffen auf Journalist:innen bei Corona-Demos, Schikanen seitens der Polizei bis hin zu Inseratenkorruption.

Nicht jedes Inserat einer öffentlichen Einrichtung gibt’s nur für gefällige Berichterstattung, in Anbetracht des Gesamtvolumens existieren jedoch Abhängigkeitsverhältnisse: Allein für Tageszeitungen ist auf der Seite medien-transparenz.at ein Gesamtvolumen von 84 Millionen Euro ausgewiesen. Und das ist nicht die ganze Wahrheit: Inserate bis 5000 Euro pro Quartal und Medium müssen nicht gemeldet werden. Die wichtigsten Anzeigenkunden sind die Stadt Wien und das Bundeskanzleramt.

Die Vergabe öffentlicher Inserate ist in der Regel nicht nachvollziehbar. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) hat im Dezember angekündigt, das zu ändern, bis heute liegt jedoch nichts vor. 2021 belief sich die Summe pro Leserinnen und Leser bei Tageszeitungen auf 13,76 Euro.

Die Unterschiede sind enorm: An der Spitze befindet sich die Qualitätszeitung „Die Presse“ (19,23 Euro), knapp gefolgt von der Boulevardzeitung „Österreich/oe24“ (18,91 Euro) und der Bundesländerzeitung „Vorarlberger Nachrichten“ (18,88 Euro). Andererseits handelte es sich bei der Qualitätszeitung „Der Standard“ genauso nur um 10,91 Euro wie es beim Bundesländermedium „Kleine Zeitung“ lediglich 8,80 Euro sind. Am wenigsten gab es mit 6,73 Euro für die „Neue Vorarlberger Tageszeitung“, die gemeinsam mit den „Vorarlberger Nachrichten“ in einem Verlag („Russmedia“) erscheint.

Den Angaben liegen die Leser:innen-Zahlen zugrunde, die im Rahmen der Media-Analyse für das vergangene Jahr erhoben wurden. Für das oberösterreichische Volksblatt gibt es hier keine Daten.

Das Ausmaß öffentlicher Inserate ist im internationalen Vergleich so ziemlich einzigartig. Reporter ohne Grenzen ortet „fehlendes Interesse seitens der Politik, sich für eine höhere Basisförderung für Medien und weniger Geld für Inserate öffentlicher Stellen (gegen gefällige Berichterstattung) einzusetzen“. Der Ruf nach einem sinnvollen Medienförderungsgesetz, bei dem Qualität statt Boulevard (Auflage) gefördert wird, sei bisher ungehört geblieben.

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