Widersinnige Vignette

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ANALYSE. Das Autobahnpickerl hat alles in allem keinen Lenkungseffekt. Ganz im Gegenteil.

Ob bei Bregenz, Kufstein oder Salzburg wirklich so viele Autofahrer nur wegen der Vignette von der Autobahn abfahren, die von Deutschland kommend die Staatsgrenze überquert haben? ÖVP, Grüne und Neos fixieren nun jedenfalls eine Mautbefreiung auf diesen Abschnitten. Man wird sehen, wie sich das auswirkt. Das Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen wird eher noch ein bisschen stärker zunehmen – als es dies ohnehin schon tut.

Um beim Beispiel Bregenz zu bleiben: Gleich danach in Fahrtrichtung Süden folgt auf der A14 der Zählpunkt Schwarzach. Die ASFINAG hat dort 2012 pro Tag durchschnittlich 41.922 Fahrzeuge in beide Richtungen registriert. Im Jahr darauf waren es 44.000 und so weiter und so fort. 2018 handelte es sich um 54.380. Sprich: plus 30 Prozent in der kurzen Zeit.

Alles in allem zeigt das sehr eindrucksvoll, dass die Vignette keinen ökologischen Lenkungseffekt hat. Sie bringt der ASFINAG eine halbe Milliarde Euro pro Jahr, die sie in die Autobahnerhaltung und den Ausbau stecken kann. Aber sonst? Ganz offensichtlich hält sie summa summarum kaum jemanden davon ab, die Autobahn zu benützen.

Wie auch? Der Dumme ist eher der Vignetten-Besitzer, der kaum auf der Autobahn unterwegs ist. Beispiel: Die Jahresvignette kostet 89,30 Euro. Wer auf 1000 Kilometer kommt, zahlt pro Kilometer neun Cent. Wer 10.000 Kilometer macht, kommt mit weniger als einem Cent weg, wird also quasi belohnt.

Wirkungsvoller wäre wohl eine kilometerabhängige Maut, wie sie in vielen Ländern üblich ist. Österreichs Politik hat sich bisher aber nicht darüber hinweggetraut. Eine Alternative wäre eine entsprechende Erhöhung der Mineralölsteuer an Stelle der Vignette. Das wird zumindest von ÖVP und Grünen in Vorarlberg gefordert.

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