Wo’s Tirol wieder am härtesten trifft

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ANALYSE. Österreich wird die Grenzen nicht so bald öffnen für Reisende. Über 17 Millionen Gäste könnten daher im kommenden Sommer ausbleiben, allein ein Drittel davon in Tirol.

Die Bundesregierung bereitet die Österreicher darauf vor, dass das mit der Rückkehr zur Normalität erst dann vollendet ist, wenn es eine Impfung oder ein wirksames Medikament gegen das Coronavirus gibt. „So lange wird es auch die uneingeschränkte Reisefreiheit, wie wir sie gekannt haben, nicht geben“, so Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in Interviews. Und überhaupt, man werde bei den Grenzöffnungen auch insofern aufpassen müssen, dass das Virus nicht importiert wird. Unausgesprochener Zusatz: Nachdem man es insbesondere über Tirol ja schon exportiert hatte.

Auf die Tourismusbranche kommt damit sehr, sehr Schlimmes zu. Nehmen wir an, es wird im heurigen Sommer nur möglich sein, Urlaub in Österreich zu machen, sofern man sich das leisten kann; und gehen wird im Übrigen davon aus, dass keine Fremde kommen dürfen. Was das bedeutet, lässt sich anhand der Daten, die die Statistik Austria für die vergangene Sommersaison führt, erahnen: 17,2 Millionen ausländische Gäste würden ausfallen.

Und wie schon das Coronavirus würde das Tirol am härtesten treffen: Von den 17,2 Millionen ausländischen Gästen entfiel mit 5,3 Millionen ein Drittel allein auf dieses Bundesland. Tirol Tourismus lebt vor allem von Nicht-Österreichern: Inländische Urlauber gab es mit rund 880.000 verhältnismäßig wenige.

Weitere Länder werden von dieser Krise nicht verschont bleiben. Wien zählte im vergangenen Sommer dreieinhalb und Salzburg drei Millionen ausländische Gäste. Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, die Steiermark und Vorarlberg brachten es auf eine Million. Schlusslicht: das Burgenland mit 170.000. Dort haben schon damals wesentlich mehr Österreicher geurlaubt (siehe Grafik).

Um die ausländischen Gäste zu ersetzen, müsste jede Person, die in Österreich lebt, zusätzlich zwei Sommerurlaube machen. Und zwar wirklich jede; auch die zum Beispiel, die in Tirol, Wien oder Salzburg selbst in der Tourismusbranche tätigt ist.

Das ist– in Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit sowie Kurzarbeit – jedoch ganz und gar unmöglich. Schon in Normalzeiten machen nur viereinhalb der knapp neun Millionen Einwohner der Republik einen oder mehrere Urlaube. Im Schnitt handelt es sich um zweieinhalb. Wobei von den alles in allem 10,2 Millionen Reisen rund sieben Millionen auf Auslandsreisen entfallen.

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