Deutsch-schwedische Phänomene

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ANALYSE. COVID-19: Viele Neuinfektionen müssen nicht zu einer zweiten Welle, geschweige denn mehr Intensivpatienten und Todesfällen führen.

Die jüngsten Berichte aus Gütersloh und der Tönnies-Fleischfabrik waren alarmierend: Hunderte COVID-19-Neuinfektionen ließen Befürchtungen aufkommen, eine „zweite Welle“ sei bereits angerollt. Umso bemerkenswerter sind die Zahlen, die das „Robert-Koch-Institut“ veröffentlicht: Das Virus hat sich demnach nicht immer schneller und schneller ausgebreitet. Im Gegenteil: Im Bundesland Nordrhein-Westfalen, zu dem Gütersloh gehört, gehen die Zuwächse seit 24. Juni zurück. Ähnliches tat sich im Übrigen in Berlin, wo die Entwicklungen vorübergehend noch alarmierender waren.

Wobei man an dieser Stelle anmerken muss, dass das hier keine Bilanz ist. Es handelt sich eher um die Feststellung eines überraschenden Zwischenstandes. Gesundheits- und Sicherheitsbehörden könnte es demnach gelingen, wirkungsvoll gegen sehr große Infektionsherde vorzugehen.

Mitte Juni stieg die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner und sieben Tagen in Deutschland um 2,5. Am 23. Juni handelte es sich um 4,7 und am 28. Juni, 0.00 Uhr, um 3,5. Wobei es schon in den Tagen bis dahin leichte Rückgänge gegeben hatte.

Getrieben wurde diese Entwicklung von Nordrhein-Westfalen und Berlin. In Nordrhein-Westfalen stieg die Zuwachsrate von 3,4 auf bis zu 11,3 (am 24 Juni), um dann wieder zurückzugehen; und zwar auf 8,5 (am 28. Juni). In Berlin ging’s zwischendurch von acht auf bis zu 13,9 (23. Juni) rauf. Am 28. Juni handelte es sich um 8,0.

Ebenfalls bemerkenswert sind die Entwicklungen in Schweden. Die Zahl der Neuinfektionen ist dort beinahe explodiert. Im April und im Mai, als sie schon sehr hoch war, belief sie sich auf rund 600 im 7-Tage-Mittel. In den vergangenen Wochen waren es gut doppelt so viele, deutlich über 1000 also. Allein: Es kommt ganz offensichtlich zu keiner Überlastung der Spitalskapazitäten. Gegenüber April hat sich die Zahl der Intensivpatienten, die täglich dazu kommen, von mehr als 40 auf weniger als 20 halbiert. Ähnliches tat sich auch bei den Todesfällen; sie sind von bis zu 100 auf weniger als 40 zurückgegangen.

Das sind noch immer viele, gemessen an den Infektionen aber deutlich weniger als zu Beginn der Pandemie, als vor allem auch Pflegeheime im Großraum Stockholm betroffen waren.

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