Viel aufzuholen

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BERICHT. Mit den Lockerungen sollte sich auch die wirtschaftliche Erholung beschleunigen. Von „Vorkrisen–Niveau“ kann aber noch keine Rede sein.

„Wirtschaft erholt sich“, berichtet die „Krone“ und zitiert Finanzminister Gernot Bümel (ÖVP) mit einer Frohbotschaft: „Sind fast wieder auf Vorkrisen-Niveau.“ Das ist freilich eine im Titel verkürzte Darstellung – bzw. bei weiten noch nicht in allen Bereichen der Fall. Im Übrigen gibt es extrem viel aufzuholen. Das WIFO berichtete vor wenigen Tagen etwa, die Arbeitslosenrate dürfte erst 2025 wieder auf Vorkrisen-Niveau liegen.

Die wirtschaftliche Entwicklung seit Beginn der Pandemie ist ein Drama, wie einem Bericht der Nationalbank zu entnehmen ist. Zitat: „Für den Zeitraum 16. März 2020 bis 02. Mai 2021 summieren sich die bisherigen BIP-Verluste auf 37,9 Mrd. EUR. Berücksichtigt man das ohne COVID-19-Pandemie prognostizierte Trendwachstum von 1¼ %, erhöhen sich die aggregierten Verluste auf 44,2 Mrd. Euro oder 11,1 % des BIP des Jahres 2019.“

Bis Anfang Mai gab es keine Woche, in der das BIP auch nur in die Nähe des Vorkrisen-Niveaus gekommen wäre. Andererseits aber besteht Grund zur Hoffnung: Die Entwicklung ist Abbild der Beschränkungen. Sprich: Durch Lockerungen ist eine beschleunigte Erholung zu erwarten.

Zu den jüngsten Entwicklungen hält die Nationalbank folgendes fest: „In den Kalenderwochen 16 und 17 (19. April bis 2. Mai 2021) lag die Wirtschaftsleistung in Österreich 6,5 % bzw. 5,4 % unter dem Vorkrisenniveau, d. h. unter dem Niveau der Vergleichswochen 2019. Damit schwankte die BIP-Lücke in den vergangenen vier Wochen, in denen in Ostösterreich ein harter Lockdown in Kraft war, um rund –5,5 %.

Auch an der Zusammensetzung der BIP-Lücke hat sich in den vergangenen beiden Wochen wenig geändert. Die Tourismusexporte verzeichneten weiterhin einen beinahe Totalausfall und erklären mehr als die Hälfte der BIP-Lücke. Das restliche Minus entfällt im Wesentlichen auf den privaten Konsum und hier auf jene Bereiche die unmittelbar von Lockdown-Maßnahmen betroffen waren (Gastronomie, Veranstaltungen, Handel).

Positive Wachstumsbeiträge kamen hingegen weiterhin von der exportorientierten Industrie, die schon Ende 2020 wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat. Trotz hervorragender Umfragewerte, die zuletzt teilweise neue historische Höchststände erreicht haben, ist aber in der Industrie in den letzten Wochen „nur“ eine Seitwärtsbewegung und keine weitere Produktionssteigerung zu beobachten gewesen.

Mit dem Ende des harten Lockdowns in Wien und Niederösterreich am 3. Mai 2021 und den angekündigten Öffnungsschritten am 19. Mai 2021 erwarten wir in den kommenden Wochen ausgehend von den privaten Konsumausgaben eine deutliche Verringerung der BIP-Lücke.“

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