Schulden egal!?

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ZAHLEN ZUM TAG. Noch nie war es für den Staat so billig, auf Pump zu agieren, wie heute. Zu niedrigen Zinsen kommen Effekte, die mit der Inflation einhergehen.

Indexiert man die Finanzschulden des Bundes sowie den Zinsaufwand, der damit verbunden ist, wird eine Entwicklung sichtbar, die es Finanzministerin in den vergangenen Jahren immer einfacher gemacht hat, mit Herausforderungen fertig zu werden: Seit dem Jahr 2000 haben sich die Schulden auf 253,6 Milliarden Euro (2021) verdoppelt. Der Zinsaufwand ist dagegen bis 2016 mehr oder weniger gleich geblieben – und dann eingebrochen. Daten der Nationalbank zufolge dürfte er heuer um mehr als ein Drittel niedriger ausfallen als zur Jahrtausendwende. Hier macht sich die „Nullzinspolitik“ bemerkbar.

In Wirklichkeit ist die ganze Sache aus Sicht des Staates noch viel erfreulicher: Wer einen Kredit in Höhe von 100.000 Euro aufnimmt, aber immer mehr verdient, wird dadurch immer weniger belastet. Beim Staat entspricht das Einkommen seinen Einnahmen, die – weil es ja nie zu nachhaltigen Entlastungen kommt – ziemlich genau mit dem BIP steigen. Seit dem Jahr 2000 hat sich dieses beinahe verdoppelt. Sprich: Die Schuldenlast hat gemessen daran kaum zugenommen, der Zinsaufwand ist sogar eingebrochen – von ursprünglich 3,2 auf zuletzt 1,2 Prozent (2021).

Fertig? Nein, es kommt vorerst noch besser für den Staat: Aufgrund der Inflation verlieren die Schulden an Wert. Im Übrigen steigen mit den Preisen gleich auch seine Umsatzsteuer-Einnahmen; sie machen etwa ein Drittel des gesamten Steueraufkommens aus. Mittelfristig dürfte es mit kräftigeren Lohn- und Pensionsrunden auch zu einem entsprechenden Lohnsteuerplus kommen. Wobei sich hier auch schon eine andere Seite der Medaille zeigt: Es muss auch mit höheren Pensionsausgaben und Gehaltskosten für öffentlich Bedienstete gerechnet werden. Auch Sozialhilfen werden wohl erhöht werden müssen. Und überhaupt: Die Nullzinspolitik muss nicht von Dauer sein. Das sollte man zumindest im Hinterkopf behalten.

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