Keine Realität, sondern Übertreibung

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ZAHLEN ZUM TAG. Weder sind weltweit 100 Millionen Menschen auf der Flucht noch hat Österreich 200.000 aufgenommen, wie der Kanzler suggeriert.

Damit kein Missverständnis entsteht: Viel zu viele Menschen sind weltweit auf der Flucht und sehr viele sind in den vergangenen Jahren in Österreich aufgenommen worden. Was Bundeskanzler Sebastian Kurz in der jüngsten ORF-Pressestunde vermittelte, ist jedoch nicht korrekt.

Der ÖVP-Chef betonte, ein Freund von Zahlen und Fakten zu sein. Beispiel: Weltweit seien 100 Millionen Menschen auf der Flucht. „Das ist keine Übertreibung, sondern das ist Realität.“ Sagen wir so: In Wirklichkeit ist es nicht Realität, sondern Übertreibung.

In einem Bericht, den das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR im vergangenen Jahr für 2018 herausgegeben hat, steht die Zahl 70,8 Millionen. Sie wiederum setzt sich aus 41,3 Millionen Binnenvertriebenen zusammen (also Männer, Frauen und Kindern, die in ihrem Land an einem anderen Ort leben müssen), 25,9 Millionen Flüchtlingen und 3,5 Millionen Asylsuchenden.

Zumindest irreführend ist der Hinweis, dass seit 2015 insgesamt 200.000 Menschen in Österreich um Asyl angesucht hätten. Laut BMI wurden von 2015 bis einschließlich 2019 181.617 Asylanträge gezählt. In Österreich geblieben sein dürften jedoch viel weniger Menschen.

Das lässt sich auf der Entwicklung der Zahl ausländischer Staatsbürger in Österreich ableiten. Von 2015 bis einschließlich 2019 ist sie um knapp 293.000 gestiegen. Doch Achtung: In 160.662 Fällen handelte es sich um Bürger eines anderen EU- oder eines EFTA-Staates. 132.183 davon waren Drittstaatsangehörige – wie eben Syrer, Afghanen oder Iraker, aber etwa auch US-Amerikaner oder Kanadier, also nicht einmal nur um Asylwerber und -berechtigte.

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