ZAHLEN ZUM TAG. Nicht nur in Österreich kommen so wenige Kinder zur Welt wie noch nie seit 1946. Die (möglichen) Gründe sind zahlreich.
Zum dritten Mal in Folge ist es im vergangenen Jahr zu einem Geburtenrückgang gekommen in Österreich. Mit 75.718 sind so wenige Kinder zur Welt gekommen wie noch nie (zumindest) seit 1946. Eurostat-Daten zeigen, dass es sich um einen internationalen Trend handelt.
2024 hat die Geburtenrate, die die Anzahl pro Frau zum Ausdruck bringt, hierzulande nur noch 1,31 betragen (2025 ist sie laut Statistik Austria auf 1,29 gesunken). In der Babyboom-Phase in den 1960er Jahre hatte sie bis zu 2,82 betragen.
In den vergangenen Jahren war die Entwicklung EU-weit und zum Beispiel auch in Deutschland identisch mit jener in Österreich. Auch dort belief sich die Rate zuletzt auf rund 1,3. In Frankreich ist die Rate höher, aber ebenfalls zurückgegangen (auf 1,61).
Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass die (möglichen) Gründe zahlreich sind. Der jüngste Einbruch dürfte demnach mit Krisen zu tun haben. Teuerung, Rezession und Kriege führten zu Unsicherheiten; also etwas, was eine so langfristige Sache wie die Familienplanung beeinträchtigen kann.
Außerdem dürfte die Coronaimpfung einen Einfluss gehabt haben. Wobei Maria Winkler-Dworak von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften betont, „dass die Impfungen selbst keinen negativen Einfluss auf die Geburtenraten hatten. Zum Beispiel verzeichnete Portugal einen Anstieg der Fertilitätsrate während der ersten Impfwelle. Aber insgesamt lässt sich aus den Zahlen ableiten, dass viele Frauen ihren Kinderwunsch kurzzeitig aufgeschoben haben, bis sie vollständig geimpft waren.“
Wesentlich dürfte zudem eine Weiterentwicklung von Lebensentwürfen sein. Nicht nur bei Frauen, die bei der Geburt des ersten Kindes immer älter sind. Laut Isabella Buber-Ennser, die ebenfalls an der Akademie der Wissenschaften tätigt ist, wollten junge Männer „früher“ in der Regel einmal eine Familie gründen: „Heute sind sich wesentlich mehr nicht mehr sicher oder sagen überhaupt klar „nein“ dazu.“
