Wrabetz' Falle

ANALYSE. Zur Unzeit führt der ORF-Chef eine große Organisationsreform durch. Damit setzt er sich selbst unter Druck: Er wird daran gemessen werden, wie er politische Begehrlichkeiten beantwortet.

Was macht der Chef eines Mediums, wenn er, sein Unternehmen oder ein Mitarbeiter mit permanenten Angriffen ausschließlich aus einer Ecke konfrontiert ist? Genau: Er stellt sich hin und weist diese zurück. Und zwar aus Prinzip. Nach außen hin kann er kein anderes Signal setzen. Wo käme das Medium denn sonst hin? Würde sich herumsprechen, dass Druck nachgegeben wird, würde es zu einem Spielball der Politik verkommen. Lustig? Nein.

Beim ORF ist das Ganze noch ein bisschen heikler: Zumal zu viele Regierungsvertreter allein schon die Zusammensetzung entscheidender Gremien oder die Möglichkeit, bei Postenbesetzungen mitzureden (Landeshauptleute bei Landesdirektoren) als Einladung betrachten, quasi überhaupt das gesamte Unternehmen zu kontrollieren, ist der Chef noch mehr gefordert, im Sinne des Glaubwürdigkeit der Berichterstattung nach außen hin eine rote Linie zu markieren; und nach innen dafür zu sorgen, dass man möglichst unangreifbar ist. So viel vorweg.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat allenfalls sich selbst etwas Gutes getan, als er im vergangenen Jahr entschieden hat, die große Organisationsreform in seinem Haus zu verschieben. Jetzt will er sie zur Unzeit durchführen. Und damit ist nicht nur gemeint, dass die Pläne laut "Standard" mitten in der Urlaubszeit konkret werden - also "seiner Lieblingszeit für heikle Personalfragen", "wenn er und viele andere relevante Köpfe weg sind".

Das ergibt in Summe eine ganz, ganz blöde Situation für Alexander Wrabetz.

Das Problem ist viel mehr noch dieses: Von freiheitlicher Seite hagelt es einen Angriff nach dem anderen. Verkehrsminister Norbert Hofer stellt gekränkt, weil er in einer ZiB nicht vorgekommen ist, die Gebühren insgesamt in Frage. Und Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein lässt nicht ab von Chefredakteur Fritz Dittlbacher - in einer Aussendung erklärt er, dass er "jedenfalls rücktrittsreif" sei; und in einer anderen, dass er überhaupt nicht mehr haltbar sei und daher zurücktreten müsse.

Das ergibt in Summe eine ganz, ganz blöde Situation für Alexander Wrabetz: In der "Channel"-Struktur, die er schon länger verfolgt, wäre möglicherweise nie Platz z.B. für Fritz Dittlbacher gewesen. Vielleicht aus rein sachlichen Erwägungen heraus. Was weiß man. Jetzt aber muss er einen solchen im Grunde genommen vorsehen. Tut er das nicht, würde das nämlich immer auch im Zusammenhang mit den Jenewein'schen Aufforderungen gesehen werden. Und zwar unweigerlich.

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Artikel Schlagwörter : Medien
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