Warum es Flüchtlinge nach Wien zieht

BERICHT. Integrationsministerium ließ Studie erstellen. Ergebnis: „Deutsch lernen“, „Arbeit finden“ und „Ausbildung machen“ sind die wichtigsten Erwartungen an die Bundeshauptstadt. Und für viele erfüllen sie sich. 

Man kann behaupten, Flüchtlinge ziehe es vor allem wegen der Mindestsicherung von den Bundesländern nach Wien. Das ist jedoch nicht ganz korrekt, wie eine Umfrage nahelegt, die im Auftrag des von Sebastian Kurz (ÖVP) geleiteten Integrationsministeriums 2016/2017 durchgeführt worden ist. Im Vordergrund stehen vielmehr Erwartungen wie „Deutsch lernen“ und „Arbeit finden“.

Die Studie trägt den Titel „Motivationen für österreichische Binnenmigration von Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten nach Wien“ und wurde von „Peter Hajek – Public Opinion Strategies“ erstellt. In der Zusammenfassung heißt es wörtlich: „Die Binnenmigration in Österreich Richtung Wien ist von einigen wenigen, aber dafür sehr klaren Merkmalen geprägt. Der Haupttreiber ist die (vermeintliche) Chance auf ein besseres Leben in der Großstadt Wien. Dies umfasst in erster Linie den Wunsch nach einem Arbeitsplatz und einer leistbaren Wohnung. Den Befragten ist nahezu durchgehend bewusst, dass ohne Deutsch diese Ziele nicht zu erreichen sind. Die Chance auf einen Neustart in Wien und ein selbstbestimmtes Leben teilen Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte mit der einheimischen Bevölkerung. Die Landflucht in die Städte ist ein ausgeprägtes Phänomen in Europa, das alle Bevölkerungsgruppen umfasst."

Die Erwartungen an die Stadt Wien im Detail: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) nennt „Deutsch lernen“ , 32 Prozent „Arbeit finden“, 29 Prozent „Ausbildung machen“ und 19 Prozent „Kontakte knüpfen“. Jeweils zehn Prozent „Wohnung finden“, „bessere Verwaltung“ und „bessere Sozialleistungen“.

"Der Faktor Mindestsicherung ist – aus heutiger Sicht – kein allein ausschlaggebender Faktor für einen Umzug nach Wien, jedoch ein nicht zu vernachlässigender Katalysator dafür. Nur jeder Zehnte negiert explizit die Mindestsicherung als Motivation für den Ortswechsel. Im Gegenzug gibt jeder fünfte Befragte an, wegen der Mindestsicherung umgezogen zu sein. 70 Prozent geben an, dass die Mindestsicherung keine große, aber doch eine Rolle spielte", heißt es in der Studie. Konkret: In einer Detailbefragung zum Faktor Mindestsicherung bezeichnen 20 Prozent ebendiese als „sehr“ oder „eher wichtig“. 50 Prozent antworteten auf die Frage danach mit „nicht so wichtig“ und zehn Prozent mit „gar nicht wichtig“.

Ganz offensichtlich zieht viele Menschen vor allem als „Großstadt“ an. Damit werden laut der Befragung „sehr allgemein mehr Möglichkeiten (22%) und bessere Chancen (21%) verbunden sowie, dass in einer Großstadt viele Menschen leben (24%)". Zitat einer interviewten Person: „Eine Großstadt ist natürlich besser. Ich denke schon, dass es hier in Wien besser ist zu leben. Hier gibt es bessere Schulen, viel mehr Arbeitschancen. Es spielte natürlich eine große Rolle.“

Bemerkenswert: Für 40 Prozent haben sich die Erwartungen und Hoffnungen „eher erfüllt“ für 42 Prozent „teilweise erfüllt“. Eher nicht erfüllt haben sie sich nur für 17 Prozent.

Der Studie liegen „persönliche, semi-strukturierte Interviews mit insgesamt 58 syrischen, afghanischen und irakischen Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten in der jeweiligen Muttersprache der Befragten (Arabisch, Dari, Farsi) in Wien“ zugrunde. Wobei zum Ergebnis angemerkt wird: „Aufgrund der geplanten geringen Stichprobe kann bei der vorliegenden Studie nur von einer explorativen Studie gesprochen werden, wenngleich 58 Befragte im Rahmen einer qualitativen Studie eine sehr solide Datenbasis darstellen.“

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Artikel Schlagwörter : Asyl, Flüchtlinge
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